Der Naturschutzbund NABU lädt zum vogelkundlichen Spaziergang "Im Reich der
Grasmücken", unter Leitung von Martin Temme, herzlich ein. Mitten durch das
Gewerbegebiet GIPCO (Gewerbe- und Industrie-Park Commerden) am Südrand von Erkelenz, zieht sich ein grünes Band von Gebüschen und Bäumen,
Wiesenflächen, Brachen und naturnah gestalteten Regenrückhaltebecken. Hier
singen im Mai entlang des Fußwegenetzes zahlreiche Vogelarten. Mit ein wenig
Glück könnten an diesem Morgen alle vier bei uns vorkommenden
Grasmückenarten sowie der Gelbspötter angetroffen werden. Bitte das Fernglas
nicht vergessen! Treffpunkt ist am Donnerstag, 17.5.12 um 7.00 Uhr der
beschilderte Parkplatz an der Straßburger Allee, GIPCO, Erkelenz-Süd.
Aufgrund aktueller Meldungen im Fernsehen stellt der NABU Heinsberg klar:
Fledermäuse am Haus sind für Menschen keine Gefahr.
Fledermäuse, die im Dach, in einem Spalt am Haus oder in einem Fledermauskasten leben, sind vollkommen ungefährlich. Von ihrem Kot und Urin geht nach derzeitigem Stand der Wissenschaft
in Deutschland keine Gefahr aus. Personen, die beruflich oder ehrenamtlich viel mit Fledermäusen zu tun haben, müssen sich dagegen vor Bissen schützen, wie dies auch bei anderen
Wildtieren und Haustieren notwendig und üblich ist. Fledermäuse greifen nie Menschen an. Sollten sie uns nahe kommen, haben sie uns bei der Jagd nach Insekten übersehen (besser
überhört) oder sie suchen Insekten wie Mücken, die uns zu
nahe kommen. Im Quartier fliegen Fledermäuse bei Störungen schnell ab und können dann zufällig nahe an uns vorbei fliegen. Dies ist aber weder ein Angriff noch eine Bedrohung.
Fledermäuse fressen in Deutschland nur Insekten, Spinnen und andere wirbellose Tiere. Sie trinken kein Blut von Wirbeltieren! Damit haben sie einen bedeutenden Einfluss bei der
natürlichen Bekämpfung von Schädlingen wie Raupen und Lästlingen wie Mücken, von denen sie die ausgewachsenen Tiere in Schach halten. Fledermäuse wohnen meist in Spalten an
Häusern, hinter Holzverkleidungen, in Rolladenkästen oder unter (Flach)Dächern. Einige Arten bevorzugen große Dachstühle oder Höhlen und Spalten an Bäumen. Im Gegensatz zu Vögeln nehmen
sie die Quartiere an, wie sie sind. Sie beißen nichts kaputt und tragen kein Nistmaterial ein. Schließlich hängen sie die meiste Zeit über Kopf von der Decke. An den Hangplätzen
kann man oft die Spuren ihrer Krallen erkennen, bei intensiver Nutzung kleine Färbungen durch Körperfett. Darunter kann sich Kot sammeln, der zusammengekehrt und wie Vogelguano im
Garten verwendet werden kann.
Was tun, wenn sich eine Fledermaus ins Haus verirrt? Am besten lässt man das Tier am Tag in Ruhe dort, wo man es gefunden hat und verhindert, dass es in andere Räume fliegt und nicht
mehr zu finden ist. Wie gesagt, Fledermäuse sind oft Spaltenbewohner. Bei Eintritt der Dämmerung öffnet man die Fenster im Raum und die Fledermaus fliegt i.d.R. nach wenigen Runden
wieder hinaus. Bei jungen oder
geschwächten Tieren kann es vorkommen, dass sie nicht abfliegen. In diesen Fällen hilft gerne der NABU Heinsberg weiter: Unter der Telnr. 0177-8892450 oder nabuheinsberg@aol.com erhält man fachkundigen Rat. Weitere Informationen zu den Fledermäusen in NRW gibt es unter www.fledermausschutz.de .
Dauerbrenner illegale Greifvogelverfolgung im Kreis Heinsberg
Zu einem Vortrag über die illegale Verfolgung von Greifvögeln hatte der NABU Heinsberg eingeladen und alle kamen: mehr als vierzig Besucher - darunter interessierte Laien, NABU-Mitglieder und
Jäger. Aber auch sämtliche zuständige Behörden des Kreises Heinsberg waren vertreten.
Nicht nur nach den Beobachtungen des NABU kommt es im Kreis Heinsberg immer wieder zu Abschüssen, Fängen und Vergiftungen von Greifvögeln. Allen voran Kreisdirektor Peter Deckers - selbst Jäger
und stellvertretender Vorsitzender der Kreisjägerschaft - aber auch Vertreter von Kreispolizeibehörde, unterer Jagdbehörde, unterer Landschaftsbehörde und des Veterinäramtes bestätigten diese
Beobachtungen. "Es handelt sich dabei keineswegs um ein Kavaliersdelikt!" Das machte Sylvia Urbaniak (Greifvogelhilfe Mönchengladbach) in ihrem sachkundigen Vortrag deutlich. Anhand von Bildern
zeigte sie viele Beispiele dafür, wie grausam Greifvögel, aber auch andere Arten wie Eulen und Graureiher gefangen, vergiftet, verstümmelt und letztendlich meist getötet werden. Woran man
Vergiftungen erkennt und was im Falle eines Fundes zu tun ist, wurde ebenso aufgezeigt wie die möglichen Tätergruppen und ihre Motive.
Unterstützt wurde die Referentin von Jürgen Hintzmann aus der Stabsstelle Umwelt- und Verbraucherschutzkriminalität im Umweltministerium NRW. "Im Zeitraum von 2005 bis 2009 sind der Stabsstelle
189 Sachverhalte illegaler Verfolgungen in NRW bekannt
geworden. Betroffen waren mehr als 300 Exemplare aus den zehn verschiedenen Greifvogelarten: Rohrweihe, Wiesenweihe, Kornweihe,Rotmilan, Mäusebussard, Habicht, Sperber, Baumfalke, Wanderfalke und
Turmfalke!", berichtete Hintzmann. "Überdurchschnittlich viele davon - 38 Fälle mit 74 Tieren - stammen aus dem Kreis Heinsberg.", so Hintzmann weiter. Dem NABU liegen sogar noch mehr Fälle
vor.
Es sind immer wieder die gleichen Unverbesserlichen, die sich - oft aufgrund überholten Konkurrenzdenkens - an Greifvögeln vergreifen: Jäger, Taubenzüchter und Geflügelhalter. So zeigte ein
Vergleich der Greifvogelfunde mit der Intensität der Jagd auf Niederwild (u.a. Fasan, Rebhuhn und Hase), dass ein statistisch deutlich sichtbarer
Zusammenhang zwischen diesen Jagdrevieren und der Greifvogelverfolgung besteht. Dazu machte der Vorsitzende der Kreisjägerschaft, Dr. Breickmann deutlich: "Kein Greifvogel ist ein Konkurrent der
Jäger. Im Gegenteil: Greifvögel gehören als Jagdwild
zu den Tierarten, die neben dem Naturschutzgesetz auch dem strengen Schutz des Jagdgesetzes unterliegen." Dies werde seit vielen Jahren auf Versammlungen und in der Jungjägerausbildung so
vermittelt. Jäger, die Greifvögel verfolgen, hätten in der Kreisjägerschaft Heinsberg keinen Platz.
"Neben den Jägern werden immer wieder Taubenzüchter und Geflügelhalter als Verfolger von Greifvögeln ermittelt", berichtete Sylvia Urbaniak. "Natürlich ist es ärgerlich, wenn ein Greifvogeleine
Taube frisst. Trotzdem darf niemand das Gesetz in die eigene Hand nehmen und geschützte Tiere töten.", mahnte sie. Während der
anschließenden Diskussion wurde von allen Beteiligten deutlich gemacht, dass Greifvogelverfolgung eine Straftat ist, die von allen Seiten verfolgt wird, um sie endlich zu unterbinden. Herr Adams
von der Kreispolizei wies ausdrücklich darauf hin, dass alle Mitarbeiter die Sensibilität des Themas kennen und im Rahmen ihrer gesetzlichen
Möglichkeiten tätig werden. Hier ist aber auch jeder einzelne Bewohner des Kreises Heinsberg aufgefordert, zu handeln: Wer tote oder verletzte Greifvögel findet, sollte umgehend die Polizei
(Telefon 110), den Kreis Heinsberg oder den NABU anrufen und den Fund melden. Notieren Sie sich den Namen des Polizeibeamten, die Dienststelle der Polizei und das Aktenzeichen, die sog.
Tagebuchnummer. Die Polizei ist verpflichtet, bei einem Verdachtsfall unverzüglich alle Maßnahmen einzuleiten, um den
Sachverhalt aufzuklären. Dazu gehört es insbesondere, die aufgefundenen Tiere vom Veterinäramt untersuchen zu lassen. Lebende Tiere können in eine Greifvogelauffangstation gebracht werden
(s.u.).
Im Vortrag wurde aber auch Folgendes klar: Die Bergung der Tiere sollte unbedingt Fachleuten überlassen bleiben. "In der Umgebung eines gefangenen Tieres können (illegale) Tretfallen versteckt
sein, die auch Menschen schwere Verletzungen zufügen können. Außerdem müssen bei der Bergung unbedingt Einmal-Handschuhe getragen werden, da bei der illegalen Verfolgung meist hochwirksame Gifte
eingesetzt werden, die über Haut und Schleimhäute aufgenommen werden können.", erläuterte die Referentin. Das Auslegen von Giftködern gefährdet nicht nur Greifvögel, Eulen und Rabenvögel sondern
auch Haustiere und sogar spielende Kinder! "Denn die Gifte sind oft, aber nicht immer, bunt eingefärbt, um sie auffällig zu machen.", warnte sie. Im
Kreis Heinsberg sind in den letzten Jahren mehrere Hunde an Vergiftungen durch Giftköder eingegangen, meist innerhalb weniger Minuten nach der Aufnahme.
Wie aktuell das Thema ist, zeigte sich leider Mitte Januar, als in Geilenkirchen-Kogenbroich 16 vergiftete Bussarde und ein geschossener Habicht gefunden wurden. In Linnich und Brachelen wurden
in den letzten Tagen neun Bussarde entdeckt, die vermutlich vergiftet wurden. Leider ist zu befürchten, dass es sich bei den entdeckten Verfolgungen nur um die Spitze des Eisbergs handelt. Dabei
zeigt sich gerade beim Mäusebussard, wie unsinnig die Verfolgung ist. Diese Art frisst vorwiegend Nagetiere und Regenwürmer, daneben auch Aas (Autobahnbussard). Lebende Vögel und
Hasen stehen nicht auf ihrem Speiseplan. Daher sind auch die vielen Bussarde, die im Winter und zur Zugzeit auf unseren Feldern sitzen, keinerlei Gefahr für das heimische Niederwild.
Wie schlecht es um manche Greife im Kreis Heinsberg steht, zeigt das Beispiel des Habichts. Früher in vielen Wäldern im Kreis verbreitet, ist er nahezu verschwunden. Nach der Analyse anderer
Ursachen bleibt nur ein Schluss möglich: Dem Habicht wird im Kreis Heinsberg nach wie vor intensiv nachgestellt!
Ansprechpartner für alle Fälle illegaler Greifvogelverfolgung ist auch die Stabsstelle Umweltkriminalität im Umweltministerium NRW: Jürgen Hintzmann, Tel. 0211/4566-473 oder 0176-967 52 175, auch
abends und am Wochenende.
Eine Broschüre über die Erkennung und Verfolgung von illegaler Greifvogelverfolgung kann beim NABU Heinsberg bestellt werden unter:
nabuheinsberg@aol.com .
Greifvogelauffangstationen in der Region:
Greifvogelhilfe Mönchengladbach, zu Bürozeiten Tel. 02161-590040, außerhalb Tel. 0162-6485785
NABU Heinsberg, Selfkant, Tel. 02456-4415
NABU sucht weiter nach seltener Fledermausart
Fledermäuse sind heimliche Tiere, das weiß jeder: Nachtaktiv, meist in Spalten versteckt und für uns nicht zu hören, entziehen sie sich unserer direkten Beobachtung. Der NABU sucht im
Kreis Heinsberg und angrenzenden Regionen aber die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen: Die Wimperfledermaus. Nur eine Gruppe von Weibchen ist in ganz Norddeutschland bekannt. Sie
lebt nahe der Rur in einem Dach in Wassenberg.
Von Mai bis September nutzen die Weibchen große und warme Dachstühle, bringen dort jeweils ein Jungtier zur Welt und ziehen es etwa acht Wochen lang groß. Wenn die Jungen fliegen
können, brechen diese Wochenstuben genannten Weibchengruppen auseinander und die Weibchen treffen sich zur Sicherung der nächsten Generation von Fledermäusen mit den Männchen.
Dabei schlafen die Tiere dann nicht immer in Kolonien und Dächern, sondern hängen sich vereinzelt frei an die Außenwände von Häusern, gerne unter überstehenden Dächern (siehe Foto).
Andere Arten machen dies kaum. Da die Tiere so kaum zu erfassen sind, bittet Michael Straube vom NABU Heinsberg Hausbesitzer und Mieter um ihre Hilfe. "Sehen Sie bitte unter überstehenden Dächern nach und melden Sie uns dort schlafende Fledermäuse. Am besten erfolgt die Meldung sofort beim Entdecken, damit der NABU im Laufe des Tages vorbei kommen kann, um das Tier zu bestimmen."
Ansprechpartner ist Michael Straube vom NABU Kreisverband Heinsberg, Tel. 0177-8892450, nabuheinsberg@aol.com .
Die Tiere sind übrigens vollkommen harmlos für Menschen, nicht jedoch für tierische Lästlinge: Insekten und Spinnen stehen auf dem Speisezettel unserer heimischen Fledermäuse.
Wimperfledermäuse wurden bisher vor allem im Rurtal von Ratheim bis Effeld nachgewiesen, außerdem in mehreren Ortsteilen von Gangelt, Geilenkirchen, Heinsberg, Selfkant und
Waldfeucht. Trotzdem ist und bleibt sie eine der seltensten Arten und ein Edelstein in der Fauna des Kreises Heinsberg.