Illegale Greifvogelverfolgung

Im Röntgenbild sind Geschosse (hier Schrote in Brust und Flügel eines Sperbers) gut zu erkennen (Foto: Sylvia Urbaniak)
Im Röntgenbild sind Geschosse (hier Schrote in Brust und Flügel eines Sperbers) gut zu erkennen (Foto: Sylvia Urbaniak)

Das Thema ist traurig und schockierend zugleich. Sylvia Urbaniak von der Greifvogelhilfe Mönchengladbach berichtet.


Das Thema ist traurig und schockierend zugleich. Jeder Naturfreund schaut doch mit Begeisterung einen fliegenden Greifvogel hinterher und erfreut sich an seinem Dasein. Mir geht es jedenfalls immer so. Doch leider gibt es auch Menschen, die tiefen Hass verspüren auf Mäusebussard & Co. Es ist teilweise unglaublich, wie den Greifvögeln nachgestellt wird. Heimlich wird auf sie geschossen, sie werden vergiftet oder mit Fallen gefangen und sterben dann qualvoll.

Greifvogelschutz
Ich bin im Greifvogelschutz in Mönchengladbach tätig und kann für die letzten Jahre (mindestens) zehn solcher Fälle in der Region Mönchengladbach aufzählen. Schussverletzungen werden häufig erst beim Röntgen aufgedeckt, denn die Geschosse sind in den Bildern deutlich zu sehen.

Seit dem Jahr 2005 wird ein sogenanntes Monitoring zur Erfassung aller aufgedeckten illegalen Verfolgungen in NRW durch die Stabsstelle für Umweltkriminalität durchgeführt. Die Stabsstelle ist unmittelbar beim Umweltministerium angesiedelt. Die Ergebnisse sind erschütternd! Es ist schwierig, die Täter zu überführen. Mein Anliegen ist es, über dieses Thema zu berichten, damit viele Menschen auf das Problem aufmerksam werden. Es werden überall Greifvögel und andere Vögel sinnlos von Menschen getötet oder verletzt. Meine Hoffnung ist, dass in Zukunft mehr Leute über diese Thematik Bescheid wissen und mehr Fälle aufgedeckt werden.

Spaziergänger und auch Hundebesitzer, viele Naturliebhaber sowie alle, die gerne draußen sind, sollten bewusst hinschauen. Insbesondere auch Hunde und Katzen können betroffen sein, wenn sie die ausgelegten Köder fressen. Wenn man weiß, worauf zu achten ist, kann man leider oft etwas finden.
Getarnte Krähenmassenfallen, die an sich schonverboten sind, werden als Greifvogelfallen genutzt. Hühnerställe und Fasanenvolieren werden so gebaut, dass Greifvögel dort hinein fliegen und nicht aus eigener Kraft wieder heraus gelangen!

„Riesenfallen“
Solche Riesenfallen sind nicht erlaubt und müssen angezeigt werden. Findet man einen verendeten Greifvogel im Feld oder im Wald, so sollte man ihn zumindest beim Komitee gegen den Vogelmord e.V., der Stabsstelle für Umweltkriminalität in Düsseldorf, bei unserer Station oder dem lokalen NABU melden. Wir werden kontrollieren, ob ein tot aufgefundener Greifvogel eines unnatürlichen Todes gestorben ist. Nun stellt sich oft die Frage: Welche Menschen machen so etwas? Wir wissen es genau, es sind keine Vermutungen und es sind häufig dieselben Täter. Es handelt sich hauptsächlich um Jäger, Taubenzüchter, Geflügelzüchter, seltener um Falkner. Nachweislich sind mittlerweile schon circa zehn verschiedene Greifvogelarten absichtlich „ohne Grund“ getötet worden! Geschossen wird mit Schrot oder auch mit Diabolos (Luftgewehrgeschosse).

Turmfalke, dem in einer illegalen Schlagfalle beide Beine zertrümmert wurden.
Turmfalke, dem in einer illegalen Schlagfalle beide Beine zertrümmert wurden.

Greifvogelvergiftung
Vergiftet werden die Tiere besonders häufig in der harten Winterzeit mit zuvor präpariertem Fleisch. Insbesondere Jäger können Niederwild vorher selber schießen und dann gezielt z. B. mit Insektiziden behandeln. Der Greifvogel, also vor allem der Aasfresser, stirbt meist sehr schnell nach der Aufnahme des Giftes. Hierbei ist zu sagen, dass Vergiftungen die häufigste gezielte Todesursache von Greifvögeln sind. Das liegt daran, dass die Täter sehr unauffällig großen Schaden anrichten können. Dies erinnert auch ein bisschen an Hundehasser, die vergiftete Köder an den Wegesrand werfen, damit Hunde nach der Aufnahme sterben. Der Jäger schiebt Gründe vor, dass doch der Greifvogel „sein“ Niederwild „dezimiert“, und deshalb greift er zur Waffe.

Es ist eine Art Machtspiel und schwer für uns normal denkende Bürger nachzuvollziehen. Warum der Jäger überhaupt Jäger geworden ist, muss sich jeder selber beantworten. Er weiß genau, dass Greifvögel nicht abgeschossen werden dürfen, denn das lernt man schon in der Jagdprüfung, doch es wird immer wieder gemacht. Unsere heimischen Greifvögel unterliegen alle dem Jagd- und dem Naturschutzrecht, haben aber eine ganzjährige Schonzeit (bzw. keine Jagdzeit).

Mäusebussard im Schlageisen (Foto: Zopf, NABU Verbandsnetz)
Mäusebussard im Schlageisen (Foto: Zopf, NABU Verbandsnetz)

Illegale Verfolgung
Ein statistischer Test durch das Komitee gegen den Vogelmord e.V. ergab, dass illegale Greifvogelverfolgung und die Intensität der Niederwildjagd hochsignifikant miteinander zusammenhängen. Damit ist belegt, dass jagdliche Interessen ein wichtiges Motiv für diese Art von Straftaten sind. Taubenzüchter und andere Geflügelzüchter haben häufig Probleme mit dem Habicht und dem Sperber, seltener mit dem Wanderfalken - ernähren sich doch diese Arten hauptsächlich von anderen Vögeln. Dem Greif ist es nicht zu verübeln, wenn da immer an einer bestimmten Stelle sein „Futter“ vor der Nase herum fliegt. Die Greifvögel sind clever und der Habicht kommt immer wieder. Er tötet im schlimmsten Fall die „beste Brieftaube“. Das ist mehr als ärgerlich, und auch teuer, denn gute Brieftauben können mehrere hundert bis tausend Euro wert sein.

Doch es ist nicht gerechtfertigt, dass der Mensch selbst versucht einzugreifen, indem er den Vogel dem Garaus macht! Wer so handelt, hat weder Respekt vor der Natur und den Tieren, noch vor den geltenden Gesetzen. Es gibt spezielle Habichtfangkörbe im Handel zu kaufen. Dies ist meiner Meinung nach ein großes Problem. Der Besitz ist legal, die Benutzung illegal! Ich hoffe sehr, dass diese unsinnige Regelung bald geändert wird. Die Fangkörbe werden mit einer Taube bestückt und der zustoßende Greifvogel wird dann mit der Falle gefangen. Wie er später zu Tode kommt und welche Angst die Taube hat, möchte ich hier nicht weiter erläutern.

Darüber hinaus möchte ich die Benutzung sogenannter Lockvögel beschreiben. Lockvögel können verschiedene Vogelarten sein, häufig handelt es sich um lebende Tauben, Fasane oder je nach Jagdziel auch um Rabenvögel, Enten usw. Hier geht der Täter häufig hin und schneidet dem wehrlosen Tier die Federn einer Schwinge ab. Somit ist es flugunfähig und kann nicht mehr fliehen. Meist werden diese Tiere in bestimmte Fallen gesetzt.

Sollte Ihnen - aus welchen Gründen auch immer - solch ein kupierter Vogel auffallen, melden Sie diesen unbedingt! Hier ist eventuell der Ort des Geschehens ganz nah, der Täter nicht weit weg.

Gestutzte Brieftaube (Lockvogel)
Gestutzte Brieftaube (Lockvogel)

Wenn Ihnen eine Tat wie im Text geschildert in Zukunft auffällt, handeln Sie nicht eigenmächtig, indem Sie zum Beispiel die Falle zerstören oder das Tier frei lassen, falls es noch lebt. Man kann rechtlich nur etwas gegen den Täter unternehmen, wenn er auf frischer Tat ertappt wird. Aber Sie müssen auf jeden Fall jegliche Hinweise an uns weiter geben. Jeder Täter wird seine Fallen regelmäßig kontrollieren… In diesem Moment wird dann mit der Polizei zugegriffen.

Wir warnen ausdrücklich davor, ausgelegte Köder mit nackten Händen anzufassen. Manche der verwendeten Pestizide dringen über die Haut ein und sind auch für Menschen sehr gefährlich.

Bisher wurden Strafbefehle mit empfindlichen Geldstrafen erteilt, sowie der Entzug des Jagdscheines. Im Wiederholungsfall drohen Freiheitsstrafen. Der Entzug des Jagdscheines ist hier in meinen Augen ein sehr sinnvolles Ziel, denn Geldstrafen können manche Leute verschmerzen.

Weitere Informationen
Weitere Informationen finden Sie auf den Internetseiten:

www.komitee.de

www.greifvogelhilfe-mg.de

Ende 2010 erschien zudem eine Broschüre, in der Hinweise zum Erkennen, Bekämpfen und Verhindern illegaler Greifvogelverfolgung gegeben werden. Sie ist beim NABU NRW, beim Komitee gegen Vogelmord sowie als pdf-Datei im Internet abrufbar.

Naturblatt 2016

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