Der Mauersegler (Apus apus)

Mit der Vorstellung dieses Vogels bezweckt der NABU aufs Neue, die Öffentlichkeit auf die Gefährdung eines bestimmten Lebensraumes aufmerksam zu machen und damit nicht nur der betreffenden Vogelart sondern auch der gesamten spezifischen Fauna und Flora - und nicht zuletzt uns selbst - zu helfen. Die folgenden Darlegungen mögen Sie davon überzeugen, dass der Mauersegler etwas Besonderes darstellt.


Leitart
Der Mauersegler brütet nahezu ausschließlich im Bereich der menschlichen Siedlungen. Den weitaus meisten Menschen ist er bekannt, viele sehen in ihm einen der Frühlingskünder, wenn er Ende April bei uns eintrifft, und manche bewundern ihn wegen seines interessanten Verhaltens als Flugkünstler. Aufgrund seiner auffälligen Flugmanöver prägt er auf seine Weise den Lebensraum in unseren Städten und Dörfern. Er ist ebenso wie der Haussperling (Vogel des Jahres 2002) eine Leitart des „Biotops“, den wir mit ihm teilen und der für uns auch insoweit eine herausragende Bedeutung hat, als wir uns in ihm wohlfühlen wollen. Dieses Wohlfühlen aus menschlicher Sicht steht unstreitig auch im Zusammenhang mit den ökologischen Verhältnissen unseres Umfeldes, die bei positiver Ausprägung für uns und die in unserer Nachbarschaft lebenden Geschöpfe von Vorteil sind.

Historie und Name
Bereits den antiken Schriftstellern Aristoteles, Plinius und Turnerus war der Mauersegler gut bekannt. Aristoteles schreibt, dass er „allzeit im Jahr“ zu sehen sei. Dies erstaunt, weil der Mauersegler Zugvogel ist und nur ein gutes Viertel seiner Lebenszeit in Europa verbringt. Wahrscheinlich steht die Bemerkung von Aristoteles im Zusammenhang damit, dass das Klima im antiken Griechenland subtropischer war als heute und möglicherweise dort einzelne Mauersegler überwintert haben. Plinius fiel u. a. auf, dass er stets fliegt, und Turnerus erwähnte, dass er höher als die Schwalben fliegt und nie auf Bäumen sitzt. Im Mittelalter nannte man ihn Spyr, Spyrschwalb, Gerschwalb, Geyerschwalb. Spyr stammt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet u.a. Spitze. Die Bezeichnung weist auf die zugespitzten, langen Flügel des Mauerseglers ihn. Im Niederländischen trägt der Mauersegler den Namen „Gierzwaluw“ (= Gierschwalbe), wobei die Bezeichnung „gier“ schrilles Schreien bedeutet.

Systematik
Der Mauersegler gehört der Ordnung der Seglerartigen (Apodiformes) und der Familie Segler (Apodidae) an. Er ist ihr häufigster Vertreter in Mitteleuropa. Im Flugbild ähnelt er zwar den Schwalben, ist jedoch mit ihnen, die der Ordnung der Singvögel angehören, nicht verwandt. Außer ihm kommt in Mitteleuropa noch der Alpensegler (Apus melba) vor, dessen Vorkommen in Deutschland allerdings auf den äußersten Südwesten (Freiburg) beschränkt ist. Entfernter verwandt mit ihm sind die in Amerika lebenden Kolibriarten.

Sein Aussehen
Er ist 16-17 cm lang und überwiegend einfarbig rauchschwarz gefärbt mit grauweißlicher Kehle. Auffällig sind seine langen spitzen Sichelflügel (Spannweite 42-48 cm) und sein kurzer gegabelter Schwanz, die ihn aufgrund ihrer aerodynamischen Wirkung befähigen, schnelle und wendige Flugmanöver durchzuführen. Das Flugbild ist schwalbenähnlich, jedoch ist er nach Spannweite und Gewicht deutlich größer als die Schwalben. Eine weitere Besonderheit besteht darin, dass beim Mauersegler die Füße zurückgebildet sind, so dass das Laufen (humpelnder Gang) für ihn sehr mühsam ist. Er kann sich mit den Füßen, die mit nadelspitzen Krallen versehen sind, jedoch hervorragend an senkrechte Strukturen (Mauern, Balken etc.) hängen bzw. klammern. Die sehr kleinen Füße haben ihm den Gattungs- und Artnamen „apus“ (= fußlos) eingebracht.

Vorkommen
In Deutschland ist er verbreiteter Brut- und Zugvogel. Aktuell wird sein Bestand auf 450.000 bis 900.000 Brutpaare geschätzt. Für die Vergangenheit kann davon ausgegangen werden, dass er häufiger vorkam. Schwerpunkte seines Vorkommens waren und sind die Städte. Hier findet er geeignete Nistmöglichkeiten in ausreichend hohen Bauten, wo er in Spalten und Nischen, insbesondere im Bereich der Dächer, seine Nester anlegt. Die Erstellung von nischenreichen Hochbauten vor allem in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts und die Zerstörung von Städten im 2. Weltkrieg, hat zusätzliche Nistmöglichkeiten mit sich gebracht und den Brutbestand erhöht. Unter günstigen Umständen konnten Gebäude bis zu 40 Brutpaare beherbergen. Als jedoch im Rahmen der modernen Bauweise immer mehr die Mauer- und Dachspalten verschwanden, bedeutete dies für den Mauersegler den Verlust von Nistplätzen. Besonders seit den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden lokal zunehmend Bestandsverringerungen festgestellt.Felsen und Steinbrüche können ebenfalls vom Mauersegler besiedelt werden. Dagegen wird dies bei Baumhöhlen, die relativ häufig bis ins 19. Jahrhundert besiedelt waren, nur noch ausnahmsweise festgestellt.

Sein Verhalten
Der Mauersegler verbringt nahezu sein gesamtes Leben in der Luft. Er ist aufgrund seiner aerodynamischen Form so hervorragend an das Fliegen angepasst, dass er sich mit denkbar geringem Energieaufwand segelnd fortbewegen kann. Dies befähigt ihn dazu, sich nicht am Boden ausruhen zu müssen. Alle erforderlichen Lebensverrichtungen, wie Fressen, Trinken, Schlafen, Balzen und Kopulieren, werden während des Fluges vollzogen. Lediglich in der Zeit des Brütens und der Jungenaufzucht werden die langdauernden Flugphasen unterbrochen. Dann übernachten die Altvögel an den Nistplätzen. Der Mauersegler und die ihm verwandten Seglerarten übertreffen nahezu alle Vogelarten in ihren fliegerischen Fähigkeiten. Beeindruckend sind die Balz- und sonstigen Flugspiele, wenn ein Seglertrupp mit hoher Geschwindigkeit und schrillen Schreien durch die Lüfte jagt. In seinem Element hat er kaum einen natürlichen Feind zu fürchten. Selbst dem extrem schnellen Baumfalken, dem im Geradeausflug schnellsten heimischen Vogel, gelingt es nur ausnahmsweise einmal, einen Mauersegler zu schlagen. Die vom Mauersegler erreichten Geschwindigkeiten belaufen sich bei den Flugspielen auf mehr als 160 km/h, beim Kraftflug auf bis zu 78 km/h und im Gleitflug auf bis zu 39 km/h.


1 Mauersegler, 2 Rauchschwalbe, 3 Mehlschwalbe
1 Mauersegler, 2 Rauchschwalbe, 3 Mehlschwalbe

Fortpflanzung
Der Mauersegler, der als Zugvogel erst Ende April in Mitteleuropa eintrifft und in der Masse bereits Anfang August den Rückflug nach Afrika antritt, hat nur eine relativ kurze Brutsaison von Mai bis Juli. Die Eiablage beginnt in der Regel in der zweiten Maihälfte. Das Gelege besteht meistens aus 2 bis 3 Eiern. Die Brutdauer beträgt 18 bis 20 Tage. ♂ und ♀ brüten abwechselnd und füttern gemeinsam die Jungen. Die Nestlingszeit umfasst 37 – 57 Tage.Der Mauersegler gilt als treu. Aus Saisonehen werden oft lebenslange Gemeinschaften, die mehr als ein Jahrzehnt dauern können. Die Vögel können mehr als 20 Jahre alt werden.

Gefährdung und Schutz
Die wesentliche Ursache für den Rückgang des Mauerseglerbestandes ist darin zu sehen, dass es ihm aufgrund der heutigen Bauweise, jegliche Spalten und Nischen u. a. aus Gründen der Wärmedämmung und der Optik zu vermeiden bzw. vorhandene Unterschlupfmöglichkeiten zu verschließen, an Nistmöglichkeiten mangelt. Hier kann Abhilfe geschaffen werden, indem über den Handel beziehbare Niststeine und spezielle Dachziegel mit Einschlupfmöglichkeit eingebaut werden. Eine zusätzliche Hilfestellung kann durch Verbesserung der nahrungsökologischen Gegebenheiten gegeben werden. Zu diesem Zweck empfiehlt es sich, die naturnahe Gestaltung am und um das Haus zu betreiben, in dem Grünzonen angelegt bzw. vorhandene Grünzonen mit heimischen Pflanzen angereichert werden (u.a. auch Fassadenbegrünung), soweit dies noch nicht geschehen ist. Hierdurch erhöht sich der Bestand an Insekten, die als sogenanntes „Luftplankton“ die ausschließliche Nahrung des Mauerseglers darstellen. Besonders in Zeiten kalter Witterung ist für den Mauersegler das Angebot an Insekten überlebenswichtig. Von den festgestellten Totfunden des Mauerseglers sind die weitaus meisten auf Nahrungsmangel während Kältephasen zurückzuführen.

Hans-Georg Bommer NABU-Geilenkirchen

NABU Broschüren, Aufkleber und Plakate zum Mauersegler sowie Informationen über weiterführende Literatur erhalten Sie beim NABU, 53223 Bonn, Postfach 30 10 54, Tel. 0228-40 36 177 oder NABU@NABU.de.

Internet-Adressen:
http://www.nabu.de/aktionenundprojekte/vogeldesjahres/2003-dermauersegler/
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