Ein Garten als Naturoase

Kleines Knabenkraut  Foto: P. Koch
Kleines Knabenkraut Foto: P. Koch

Eine seltene Orchidee auf dem NABU-Gelände sorgte nicht nur unter Botanikern für Freude. Auch das Vorkommen der bereits bekannten Art entwickelt sich prächtig. Martin Temme berichtet.

Ein für unsere Region geradezusensationeller Orchideenfund sorgte im Frühjahr für eine Überraschung. Auf dem Gelände der NABU-Naturschutzstation Haus Wildenrath konnte ein wunderschön violett blühendes Exemplar des Kleinen Knabenkrautes (Orchis morio), auch Salep-Knabenkraut genannt, entdeckt werden. Es ist der erste (bekannt gewordene) Nachweis für den Kreis Heinsberg.
Die nächsten aktuellen Vorkommen sind bei Jülich und südlich von Düren. In der Eifel gibt es noch einige geschützte und gepflegte Vorkommen. Da in unserer Region keine historischen Vorkommen bekannt sind, wird es sich wohl um eine Neuansiedlung handeln. Möglicherweise wurden Samen dieser Art durch Arbeitsgeräte eingetragen, die auch im Dürener Raum eingesetzt werden.

 
Geflecktes Knabenkraut  Foto: M. Gellissen
Geflecktes Knabenkraut Foto: M. Gellissen

Vom Aussterben bedroht
In der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten in NRW wird das Kleine Knabenkraut in Kategorie 1, „vom Aussterben bedroht“, geführt. Früher war es eine der häufigsten Orchideen in Deutschland. Auch in NRW war sie – mit größeren Lücken in der Niederrheinischen Bucht – weit verbreitet. Sie wuchs auf Wiesen und Weiden aller Art, egal ob wechselfeucht oder trocken, kalkhaltig oder sauer: Hauptsache, sie waren mager. Diese Anspruchslosigkeit wurde ihr und vielen anderen Arten der Magerwiesen zum Verhängnis. Innerhalb weniger Jahrzehnte wurde sie vor allem durch Stickstoffdüngung, aber auch durch fehlende Beweidung oder Mahd, an den Rand des Aussterbens gebracht.

 

Ebenso erfreulich ist die Entwicklung beim Gefleckten Knabenkraut (Dactylorhiza maculata). Seit ein paar Jahren hat sich ein kleines Vorkommen im Eingangsbereich zum Haus Wildenrath etabliert, was die Hoffnung weckte, dass auch die unweit gelegenen Feuchtwiesenbereiche wieder besiedelt werden könnten. Dort hatte es bis in die 1970er Jahre diese hell rosa blühenden Orchideen gegeben. Danach waren sie verschollen. Nach Mahd und Beweidung der Binsenflächen wurden 2009 erstmalig wieder blühende Exemplare entdeckt - und das gleich in beachtlicher Zahl.

Extensive Bewirtschaftung
Die extensive Bewirtschaftung rund um Haus Wildenrath, ohne Düngung der Wiesen- und Weideflächen, bietet selten gewordenen Pflanzengesellschaften wieder eine Chance - und diese wird offensichtlich von den Knabenkräutern bereits genutzt! Die Population des Gefleckten Knabenkrautes scheint schon wieder so stabil zu sein, dass bei anhaltender Pflege mit einer weiteren Ausbreitung in den nächsten Jahren gerechnet werden darf. Ob das Kleine Knabenkraut nur eine „Eintagsfliege“ war, oder ob ihm die Bedingungen weiterhin zusagen und es zur Vermehrung kommt, bleibt abzuwarten. Orchideefreunde - und nicht nur die - dürfen auf das kommende Frühjahr gespannt sein.

Naturblatt 2016

Fledermäuse im Kreis Heinsberg

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