Tiere der Feldflur

Auf den ersten Blick sind landwirtschaftliche Flächen arm an Tieren. Bis auf ein paar auffällige Vogelarten sind meist nicht viele Tiere zu sehen.
Besonders im Frühsommer, wenn alle Kulturen zur Höchstform auflaufen, den Boden dicht decken oder - im Falle von Mais - gar keine Sicht mehr zulassen, fallen uns an Tieren nur noch die Vögel durch ihren Gesang am Himmel auf. Dabei leben eine ganze Reihe von Tieren auch oder vorwiegend in Ackerflächen. Dies zeigen schon ihre Namen: Feldhase, Feldlerche, Feldhamster, Feldlaufkäfer ...

Foto: O. Gellißen
Foto: O. Gellißen

 

Säugetiere
Die größte heimische Tierart, die regelmäßig in Feldern lebt und sich dort auch versteckt, ist das Reh, bei dieser Lebensweise auch als Feldreh bezeichnet. Im dichten Getreide verschwindet es selbst stehend fast vollkommen. Nur die Ohren und das Gehörn der Böcke sind manchmal zu sehen, so dass es bestens vor Feinden geschützt ist. Die sind aber selten im Feld unterwegs. Lediglich Füchse können Jungrehen gefährlich werden. Und natürlich wildernde Hunde, die viele Tiere aufschrecken und verletzten, Gelege zerstören oder andere Beutegreifer auf sie aufmerksam machen. Erwachsene Tiere werden eher zu Opfern des Straßenverkehrs und der Jagd. Wenn alle Felder abgeerntet sind, verstecken sich Rehe meist im Wald. Das führt in unserer ausgeräumten Landschaft dazu, dass sich im Winter in den wenigen Waldflächen in der Börde große Zahlen von Rehen versammeln können, so etwa 20 und mehr Tiere im Wahnbusch.

Eher unregelmäßig tritt die schwerste heimische Wildart im Acker auf: das Wildschwein. Gerade Äcker, die an Wälder angrenzen, sind davon betroffen. Im Kreis Heinsberg leben Wildschweine bevorzugt und in zunehmender Zahl in den grenznahen Wäldern von Wegberg und Wassenberg. Von dort unternehmen sie regelmäßig Ausflüge in die offenen Gebiete, wo sie auf der Suche nach Fressbarem - und Wildschweine sind Allesfresser! - zerstörte Kulturen und durchwühlte Böden hinterlassen. Den Schaden haben nicht nur die Landwirte, sondern auch die Jagdpächter, die für diese Schäden aufkommen müssen.

Praktisch überall im Kreisgebiet kommt der (Rot-)Fuchs vor. Dabei liegt er gar nicht immer im Bau, sondern versteckt sich oft im Freien. Als Allesfresser bedient sich der Fuchs an allem, was er fangen und überwältigen kann. Das sind vor allem Kleinsäuger, bei Gelegenheit auch Jungtiere von Hasen, Rehen und Kaninchen sowie Jungvögel. Aber auch Regenwürmer spielen zeitweise eine wichtige Rolle auf seinem Speisezettel. Zur Reifezeit von Früchten bedient er sich gerne an vielerlei Beeren. Aktuelle Untersuchungen aus den Feldhamsterschutz-gebieten in Limburg zeigten, dass dort ca. 4 erwachsene Füchse auf 100 ha (1 qkm;) leben. Die dort gewünschte intensive Bejagung konnte die Fuchsdichte lediglich um 50 % senken und auch das nur temporär.

Außer dem Fuchs kommen an Beutegreifern im Acker - neben Greifvögeln und Eulen - mehrere Marderarten vor, vor allem das Große Wiesel (Hermelin) und das Mauswiesel, seltener der Iltis. Aber auch der Steinmarder streift vorwiegend von Siedlungen aus durch die Felder und aus angrenzenden Wäldern kommt der Dachs, der sich im Kreis Heinsberg noch immer nicht ganz von den Folgen der Fuchsbaubegasung in den 60er Jahren erholt hat.

Im Kreis Heinsberg noch oft zu beobachten ist der Feldhase. Unsere fruchtbaren Böden ernähren so viele Hasen, dass die Art im Kreis durchaus noch bejagt werden kann. Die Abschusszahlen liegen mit fast 5.000 Stück weit unter den Strecken, die in den 70er und 80er Jahren möglich waren (s. Tabelle). Wenn der Feldhase und andere Arten zurückgehen, liegt es aber meist eher an der Art der Bewirtschaftung als an der Jagd.

Seltener als der Hase ist das Kaninchen heute. Früher war es ein Massenschädling, dessen Fraßschäden der Jagdpächter dem Landwirt bezahlen musste. Dies kommt heute kaum noch vor. Mehrere Krankheiten brachten das Kaninchen an den Rand des Verschwindens, wie die Jagdstrecken über die Jahrzehnte zeigen (s. Tabelle). Auch wenn es heute wieder mehr Kaninchen gibt als noch vor wenigen Jahren, sieht man die meisten nicht in der freien Landschaft sondern in städtischen Grünanlagen.

Die häufigsten Säugetiere im Feld sind die Mäuse. Vor Ort findet man meist nur ihre Löcher und Gangsysteme, die nicht immer leicht zu unterscheiden sind. Manchmal sind die recht kurzsichtigen Tiere aber auch eine Zeitlang zu beobachten. Meist handelt es sich auf unseren Äckern um Feld- und Wühlmäuse, in der Nachbarschaft von Siedlungen leben aber auch Wanderratten. Feldmäuse sind so klein wie ein Daumen, Wühlmäuse dagegen so groß wie ein Maulwurf. Beide Mäusearten können im Acker Dichten von mehreren 1.000 Tieren pro ha erreichen und dabei viel Schaden an den Kulturen anrichten. Mäuse sind vorwiegend Pflanzenfresser und tun sich an grünen Pflanzen, aber auch Früchten wie Getreide und Zuckerrüben gütlich.

2007 haben sich die Mäuse in Deutschland so stark vermehrt, dass die flächigeund offene Ausbringung von Rodentiziden (Nagergiften) beantragt wurde. Im Herbst 2007 war absehbar, dass dadurch auch Feldhasen, Greife und andere Tiere getroffen werden und die Forderungen der Naturschutzverbände nach Nichtzulassung dieser flächigen, ungezielten Ausbringung mehr als berechtigt waren.

Foto: M. Straube  Junger Feldhamster
Foto: M. Straube Junger Feldhamster

Das größte Nagetier im Acker ist der Feldhamster, bei uns regional auch als Kornwolf bezeichnet. Er ist deutlich größer und schwerer als Gold- oder Zwerghamster, eher so groß wie ein Meerschweinchen. Auffällig waren früher seine Baue im Acker. Da er unterirdische Gänge und Kammern gräbt, häuft er mehr oder weniger große Erdhügel auf. Für seinen Winterschlaf trägt er ein bis wenige Kilo Nahrung ein, Getreide, Rübenstückchen und andere haltbare Stücke von Feldfrüchten und Wildpflanzen. Im Sommer frisst er daneben auch Schnecken, Würmer, Insekten und sogar Mäuse.

Foto: M. Straube  Feldhamster
Foto: M. Straube Feldhamster



In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es noch Feldhamster im Kreis Heinsberg, zumindest in Selfkant, Geilenkirchen, Heinsberg und Erkelenz. Inzwischen ist er aus dem Kreis verschwunden, aktuell wandert er aber wieder ein. Die Niederländer haben unmittelbar an der Grenze bei Sittard und Koningsbosch zwei ihrer inzwischen sieben Hamsterschutzgebiete in Limburg realisiert. Dort wurden über die Jahre mehrere hundert gezüchtete Feldhamster ausgesetzt und ihre Entwicklung verfolgt. Es zeigt sich, dass der Hamster bei einem gewissen Teil hamsterfreundlich bewirtschafteter Felder in der Freiheit überleben kann, sich vermehrt und auch benachbarte Flächen besiedelt. Bei Hillensberg wurden 2005 die ersten Hamsterbaue auf deutschem Grund gefunden. Inzwischen haben sich die Tiere bis Wehr ausgedehnt. Ob eine weitere Ausbreitung nach Norden erfolgt, ist spannend zu beobachten. Die Ortschaft Wehr selbst, aber auch die Bundesstraße, der Rodebach und die Wälder von Westerheide und Tüdderner Venn fördern nicht gerade seine Ausbreitung. Allerdings kommt der Hamster auch im Norden des Selfkants wieder vor: Bei Saeffelen wurden 2007 die ersten Baue gefunden. Da eine direkte Verfolgung des Hamsters verboten ist, kann man hoffen, dass der Selfkant langfristig wieder zum Lebensraum des Hamsters wird. Für die Landwirtschaft ist der Hamster heute keine Problemart mehr. Angesichts der geringen Dichten (höchstens ein paar Tiere/ha) und des hohen Ertrags (bis zu über 90 dt Getreide/ha) fällt seine Sammelwut nicht ins Gewicht.

Im Acker wie im Grünland fallen die Hügel der Maulwürfe schon von weitem auf. Da er vorwiegend tierische Kost zu sich nimmt, kann man ihn durchaus als Freund des Menschen bezeichnen. Das gleiche gilt für die zarten Spitzmäuse, die man aber eher aus dem heimischen Kompost kennt. Nicht genau erforscht ist im Kreis Heinsberg das Vorkommen der verschiedenen Maus- und Spitzmausarten.

Foto: M. Straube  Kartoffelkäfer
Foto: M. Straube Kartoffelkäfer

Insekten

Endlos, wenn auch auf den ersten Blick meist nicht auffällig, ist das Heer der Insekten in Ackerflächen. Sichtbar werden sie meist erst, wenn sie sich durch gute Umstände, etwa ein trocken-warmes Frühjahr, massenhaft vermehren. Dann fallen oft dunkle Blattläuse am Getreide auf. Sie schädigen die Pflanzen dadurch, dass sie sie mit ihrem Stechrüssel anstechen und den süßen Pflanzensaft trinken. Ihr Kot beschmutzt die Pflanzen, an den Einstichstellen können Krankheitserreger eindringen. Fliegende Blattläuse können Pflanzenkrankheiten auch verbreiten.

Kartoffelkäfer kennen wohl die meisten Menschen wegen ihrer eindeutigen schwarz - gelben Streifen. Er folgte der aus Amerika eingeführten Kartoffel auf ihrem Siegeszug durch Europa.

An den Wurzeln von Gräsern, und damit als Larve für uns unsichtbar, fressen Schnaken oder Schneider. Dabei machen sie keinen Halt vor Getreidearten, welche ja ebenfalls Gräser sind. Auffällig sind erst die erwachsenen Schnaken, die aus den Feldern, Rasenflächen und Wiesen aufsteigen und uns in Gesicht und Haare fliegen. Stechen können sie nicht.

Bei den vielen Kleintieren, die im Acker leben, lassen ihre Feinde nicht lange auf sich warten und helfen dem Landwirt fleißig bei der Bekämpfung. Nicht nur die Larven der Marienkäfer haben Blattläuse zum Fressen gern, auch die Larven einiger häufiger Schwebfliegen und Flor-fliegen. Letztere werden deswegen auch Blattlauslöwen genannt.

Sowohl am Halm als auch auf dem Boden treiben sich weitere kleine Fressmaschinen herum: Laufkäfern entgeht keine Beute, sie tragen ihren Namen nicht umsonst. Aber auch eine Reihe anderer Insekten und Insektenlarven hat sich auf fleischliche Kost spezialisiert.

andere Wirbellose
Am Boden, aber nicht nur dort, treffen wir auf gute Bekannte aus unserem Garten: Schnecken, vorwiegend nackt und in Massen auftretend. Wer einmal an einem feuchten Morgen über einen Stoppelacker gegangen ist, kann über die Schnecken-heere im Garten nur noch lächeln. Wobei auf dem Stoppelacker die Ernte ja bereits eingefahren ist, während wir im Garten schon noch gern das ein oder andere Gemüse ernten würden…

Im Boden brodelt - für uns unsichtbar - das Leben. Heerscharen von Würmern, Asseln, Springschwänzen, Milben, Nema-toden und vielen anderen Wirbellosen sowie Pilze fressen und zersetzen alles, was an toter tierischer und pflanzlicher Masse den Boden erreicht und arbeiten es ein. Dabei werden die in den Lebewesen gespeicherten Nährstoffe nach und nach wieder freigesetzt. Das weiß natürlich auch der Landwirt und geht daher möglichst schonend mit dem Boden, seinem Hauptkapital, um. Nur langsam setzt sich aber die Erkenntnis durch, dass tiefes Pflügen nicht das Gelbe vom Ei ist. Abgesehen davon, dass es sehr viel Energie und damit heutzutage teure Brennstoffe kostet, ist es die Tatsache, dass beim Pflügen das Bodenleben buchstäblich auf den Kopf gestellt wird. Die einzelnen Tierarten sind stark spezialisiert und leben nur in bestimmen Bodenschichten, wo für sie geeignete Verhältnisse herrschen. So sind an der Oberfläche Temperatur und Feuchtigkeit viel variabler als tiefer im Boden. Viele Bodentiere mögen das Licht auch gar nicht. Untersuchungen ergaben, dass deutlich mehr Regenwürmer im Boden leben können, wenn das Pflügen durch Grubbern oder Direktsaat ersetzt wird, die weniger in die Bodenschichtung eingreifen.

Gewinner und Verlierer
Wenn man die Jagdstrecken als einen groben Anhaltspunkt für die Entwicklung von Tierarten im Acker annimmt, erkennt man die Gewinner und die Verlierer der Entwicklungen in der Landwirtschaft der letzten Jahrzehnte (s. Tabelle). Zu den Gewinnern gehören Tiere wie Reh, Wildschwein, Fuchs und Steinmarder, Arten die flexibel reagieren und deren Vorkommen nicht auf Äcker allein beschränkt ist. Feldhase, Wildkaninchen und Rebhuhn gehören zu den Verlierern. Bei Rebhuhn und den Kleinmardern wurde in den letzten Jahren zurückhaltender gejagt. Der starke Rückgang der Jagdstrecke beim Fasan kommt unter anderem daher, dass heute nicht mehr so viele Tiere ausgesetzt werden, wie dies in den 70er-Jahren üblich war.


Jagdstrecken einiger Tierarten, die auch oder hauptsächlich im Acker leben
(Quelle: Kreis Heinsberg)

Art   Jagdstrecke 1976/77   Jagdstrecke 1986/87   Jagdstrecke 1996/97   Jagdstrecke 2006/2007   Maximum 1976/77 - 2006/1007  
Reh  482  457  726  702  833 
Wildschwein  11  48  143  190  263 
Feldhase  12.459  12.021  5.847  4.906  12.459 
Wildkaninchen  19.978  4.959  3.805  1.843  19.978 
Rotfuchs  412  321  998  904  2.063 
Steinmarder  48  205  205 
Hermelin  672*  282  167  80  672* 
Rebhuhn  4.154  450  437  74  4.154 
Fasan  23.516  10.847  4.973  4.039  23.516 
Ringeltaube  13.080  9.539  15.403  13.095  26.644 
Aaskrähe  1.047  673  1.788  2.316  3.083 

* damals noch inkl. Mauswiesel

Naturblatt 2017

Naturblatt 2017
Naturblatt 2017.pdf
Adobe Acrobat Dokument 3.4 MB

Fledermäuse im Kreis Heinsberg

Jobbörse

Machen Sie uns stark

Online spenden

Spendenformular
Einfach ausdrucken, ausfüllen, fertig.
Spendenformular Verein.pdf
Adobe Acrobat Dokument 93.9 KB