Amphibienschutz an Straßen auch heute noch erforderlich

Krötenzaunaufbau Foto: O. Gellißen
Krötenzaunaufbau Foto: O. Gellißen

 
Alljährlich im zeitigen Frühjahr wiederholt sich vielerorts das gleiche „Schauspiel“: Naturschützer errichten oder reparieren Krötenzäune entlang von Straßen, die durch Waldgebiete oder Bachtäler führen. Hierdurch sollen die zu ihren Laichgewässern wandernden Amphibien vor dem Straßentod bewahrt werden.

Da stellt sich so mancher Zeitgenosse die Frage, warum eine so aufwendige Aktion zum Schutz dieser Tiere heute überhaupt noch erforderlich ist und wieso solch „hässliche Plastikzäune“ in die schöne Landschaft gesetzt werden?

Um diese Frage beantworten zu können, betrachten wir zunächst einmal die Biologie dieser interessanten Tiere: Amphibien benötigen Gewässer, um abzulaichen. Kurze Zeit nach der Paarung und Eiablage verlassen die meisten Amphibienarten das Gewässer wieder und verbringen den Rest des Jahres meist an Land. Mit sinkenden Temperaturen im Herbst werden geeignete Unterschlupfe zur Überwinterung gesucht, wobei diese feuchten und frostgeschützten Überwinterungsplätze sich häufig in Wäldern befinden. Viele Amphibien sind sehr standorttreu. Sie paaren sich und laichen immer in dem Gewässer, in dem sie sich vom Ei über die Kaulquappe bis hin zum ausgewachsenen Tier entwickelt haben. Winterquartier und Laichgewässer können mehrere Kilometer voneinander entfernt liegen. Deutschland besitzt eines des dichtesten Straßennetze weltweit und so verwundert es kaum, dass Winterquartier und Laichgewässer häufig von einer Straße getrennt werden.

Im Frühjahr je nach Witterung sogar schon im Februar, machen sich die Amphibien auf den Weg zum Laichplatz. Untersuchungen haben ergeben, dass bei einer Verkehrsdichte von 60 Autos pro Stunde 90 Prozent der wandernden Amphibien überfahren werden. So kann man leicht ausrechnen, was mit einer durchschnittlichen Erdkrötenpopulation von ca. 2000 Tieren passieren kann, welche ihr Laichgewässer nur über eine stark befahrene Bundesstraße erreichen können: Bei geeigneter Witterung wandern an einem Abend ca. 100 Tiere über die Straße. Hiervon erreichen ca. 10 Tiere das Laichgewässer. Unter diesen Tieren befinden sich aber nur ca. 3 weibliche Tiere, der Rest sind Männchen (Das Verhältnis Erdkrötenweibchen zu Männchen beträgt bei uns i.d.R. ca. 1:3). Selbst wenn man eine geringere Verkehrsdichte ansetzt, so ist nach wenigen Jahren diese Erdkrötenpopulation erloschen, weil nicht mehr genügend Nachwuchs produziert werden kann.

 

 

Die Amphibienschutzzäune haben also nach wie vor ihre Berechtigung und ohne die ehrenamtlichen Naturschützer, wären vielerorts so gut wie keine Amphibien mehr anzutreffen.

Teilweise werden die Zäune schon über 15 Jahre alljährlich ehrenamtlich betreut und ebenso lange haben die zuständigen Behörden (Landesbetrieb Straßenbau NRW) hiervon Kenntnis, ohne das geeignete, dauerhafte Leit- und Schutzeinrichtungen installiert werden. Gleichzeitig werden aber Millionen von Euro an Steuergeldern in Planung, Bau und Unterhalt neuer Umgehungsstraßen gesteckt !

 

Versiegelung der Landschaft - Wir versiegeln in atemberaubendem Tempo immer mehr Land. Jeden Tag verschwinden in Deutschland mindestens 120 Hektar freie Landschaft unter Asphalt oder Beton – jede Stunde eine Fläche von über fünf Fußballfeldern ! (Quelle: WWF Deutschland) 

 


Foto: O. Gellißen
Foto: O. Gellißen

"Krötenfreaks" gesucht !

 

 

Infos bei: Oliver Gellißen, E-Mail: info@nabu-heinsberg.de

Sofern vorhanden, bitte Arbeitsgerät mitbringen (Schaufel, Hacke, Freischneider, etc.).

Weitere Informationen auch im Internet unter www.amphibienschutz.de

(Text: Oliver Gellißen, Fotos & Skizzen: NABU Heinsberg & NABU Bonn)


Neue Amphibienschutzbroschüre erschienen
In der Reihe "NABU aktiv" ist eine 56-seitige Amphibienschutzbroschüre mit dem Titel: "Frösche, Kröten und Molche - Verwandlungskünstler on Tour" erschienen. Darin werden alle heimischen Amphibienarten ebenso wie die möglichen Schutzmaßnahmen vorgestellt. Die Hinweise zu Schutzmaßnahmen reichen dabei von Tipps für die Gestaltung amphibiengerechter Gärten, der Anlage von Gartenteichen bis zu Bau und Betreuung von Amphibienschutzzäunen. Bezug zum Einzelpreis von 3,30 Euro in Briefmarken (6 mal 55 Cent) beim NABU-Infoservice, 53223 Bonn. Mehrfachbestellungen über den NABU Natur Shop oder im Internet unter www.nabu.de/bestellliste.php

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