Vogel des Jahres 2016 – Der Stieglitz

Stieglitz (Carduelis carduelis)

Foto: NABU/Andreas Bader

Warum ist der Stieglitz Vogel des Jahres 2016?

Mit ihm soll der fortschreitende Strukturverlust in unserer Kulturlandschaft ins Blickfeld gerückt werden. Er ist Botschafter für mehr Artenvielfalt und Farbe in Agrarräumen und Siedlungsbereichen.

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und sein bayerischer Partner, der Landesbund für Vogelschutz (LBV), haben den Stieglitz zum „Vogel des Jahres 2016“ gewählt. Auf den Habicht, Vogel des Jahres 2015, folgt damit ein Singvogel, der zu den farbenfrohesten Vögeln Deutschlands zählt. Der auch Distelfink genannte Stieglitz steht für vielfältige und farbenfrohe Landschaften, denn er ernährt sich vornehmlich von den Samen zahlreicher verschiedener Blütenpflanzen, Gräser und Bäume. Bunte Landschaften mit ausreichend Nahrung gibt es jedoch immer weniger. Daher ist der Bestand des Stieglitzes in Deutschland in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen.

Allein in der Agrarlandschaft sind seit 1994 fast 90 Prozent aller Brachflächen mit ihrer heimischen Artenvielfalt verloren gegangen. Auch Randstreifen mit Blumen und Wildkräutern an Feldern und Wegen werden immer weniger und artenärmer. Im Siedlungsraum verschwinden wildblumenreiche Brachflächen, öffentliches und privates Grün wird zu intensiv gepflegt, Wildkrautvielfalt gar weggespritzt. Für unseren Jahresvogel wird es in Deutschland inzwischen eng und doch gibt es viele Möglichkeiten, den Lebensraum des farbenfrohen Finken zu erhalten. Schon kleine unbelassene Ecken in Gärten, an Sport- und Spielplätzen, Schulen, Ackerflächen oder Straßenrändern, trügen dazu bei.

Überregional kann nur eine Reform der bestehenden EU-Agrarverordnungen und -Förderinstrumente den Verlust landwirtschaftlicher Brachflächen stoppen. Aber auch in Städten und Gemeinden werden Konzepte benötigt, damit es mehr Wildnis am Straßenrand und auf grünen Flächen gibt. Auch private Gärtner können sich für den Erhalt von Lebensräumen des Stieglitzes einsetzen. Das Anlegen von Blühflächen mit heimischen Wildkräutern sowie Obstbäumen und der Verzicht auf Pestizide helfen dem zierlichen Finken.

Der Bestand des Stieglitzes hat in Deutschland laut den Daten des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten von 1990 bis 2013 um 48 Prozent abgenommen. Offizielle Schätzungen gehen derzeit von 305.000 bis 520.000 Brutpaaren in Deutschland aus. Stieglitze leben sowohl auf dem Land als auch in Siedlungen, solange es einen geeigneten Brutplatz und genug Nahrung gibt. Diese findet er an Acker- und Wegrainen, auf Brachen oder in Parks und Gärten. Knapp 60 Prozent des bundesweiten Bestandes leben im Siedlungsraum, die restlichen 40 Prozent in der Agrarlandschaft.

Illegal gefangen

Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein waren die farbenfrohen Stieglitze begehrte Stubenvögel. Der Fang wildlebender Stieglitze ist zwar mittlerweile durch die EU-Vogelschutzrichtlinie verboten. Dennoch machen illegale Vogelfänger in einigen Staaten rege Geschäfte auf Kosten dieser Tiere – auf Malta sogar mit offiziellem Segen: Im Jahr 2014 trat eine umstrittene nationale Ausnahmegenehmigung für den Netzfang von Stieglitzen und anderen Finkenvögeln im Herbst und Winter in Kraft. Sie werden dort lebend gefangen und auf dem Vogelmarkt in Valletta verkauft. NABU und LBV kämpfen mit ihren maltesischen Partnern dafür, dass diese Regelung schnellstmöglich zurückgezogen wird. Auch die EU-Kommission hat bereits ein Verfahren dagegen eingeleitet.

 

Der Stieglitz im Kreis Heinsberg

Im Altkreis Geilenkirchen-Heinsberg war der Stieglitz früher ein unregelmäßiger, spärlicher Jahresvogel sowie auch ein spärlicher Durchzügler und Wintergast. Im Altkreis Erkelenz war er ein seltener Brutvogel. Im Stadtgebiet von Erkelenz fehlte er in den meisten Jahren. Ab Juli wurden Tiere in kleinen Schwärmen von vier bis sechs Individuen beobachtet. Im Kreis Heinsberg ist der Stieglitz heute nicht mehr so selten. Er ist ein spärlicher bis mäßig häufiger Brutvogel mit bis zu 200 Brutpaaren im Kreisgebiet. Er ist bei uns ein vereinzelter bis mäßig zahlreicher Durchzügler und Wintergast. Von Ende Juli bis Ende März sind oft größere Trupps (70 bis 120 Tiere) zusammen auf Nahrungssuche, dann gelegentlich vergesellschaftet mit Erlenzeisigen.

 

Weiterführende Literatur:

H. E. WOLTERS (1951-1972): Die Vögel des Kreises Geilenkirchen-Heinsberg. – Heimatkalender des Selfkantkreises Geilenkirchen-Heinsberg

E. KNORR (1967): Die Vögel des Kreises Erkelenz

M. GELLISSEN (2012): Die Vögel des Kreises Heinsberg

Bunte Meter sammeln für den Stieglitz

Gleichzeitig mit der Verkündung des „Vogel des Jahres“ starten der NABU und der LBV die Aktion „Bunte Meter für Deutschland“. Möglichst viele Meter wildkrautreicher Grünflächen sollen als neue Lebensräume für den Stieglitz und andere Singvögel geschaffen oder erhalten werden. Machen Sie mit!

 

Wie viele Meter bereits gesammelt wurden, zeigen die Blumen auf der Deutschlandkarte. Je größer die Blume, desto mehr Meter sind in dem entsprechenden Bundesland entstanden. Die genaue Zahl erfahren Sie durch einen Klick auf die Blumen. Sie möchten selbst Bunte Meter melden? Dann nutzen Sie bitte das Meldeformular beim Bundesverband. Bitte melden Sie nur neue Meter, lesen Sie dazu auch die Hinweise unter: www.nabu.de

 

Einkaufsliste für Bunte-Meter, die besten Sorten:

  • Gewöhnliche Kratzdistel
  • Ackerkratzdistel
  • Wegwarte
  • Acker-Witwenblume
  • Gewöhnliches Knäuelgras
  • Wiesen-Bocksbart
  • Wolliges Honiggras
  • Wiesen-Sauerampfer
  • Wilde Karde
  • Echtes Mädesüß
  • Wiesen-Flockenblume
  • Kornblume
  • Gewöhnliches Ferkelkraut
  • Rotklee
  • Krauser Ampfer
  • Floh-Knöterich
  • Gemeine Schafgarbe
  • Klatschmohn
  • Vergissmeinnicht
  • Katzenminze
  • Gewöhnlicher Teufelsabbiss
  • Gewöhnliches Bitterkraut

Naturblatt 2016

Fledermäuse im Kreis Heinsberg

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