Ist die Milch noch zu retten?

Ein Bauer packt aus.

 

Von Natascha Lenkeit-Langen

 

Der Bauer, nennen wir ihn einfach Peter, lebt im Kreis Heinsberg und bewirtschaftet einen Milchviehbetrieb im Nebenerwerb. Seine Herde zählt ca. 90 Tiere. Er macht seine Arbeit gerne und hofft darauf, noch neun Jahre melken zu „dürfen“. Dies ist nämlich gar nicht so selbstverständlich. Auch wenn es Übergangsfristen gibt, erfordern strengere Umweltgesetze, neue Auflagen und Standards im Bereich „Tierwohl“ je nach Gegebenheiten der Gebäude, zusätzliche Investitionen. Im großen Stil zu investieren lohnt sich für Peter nicht, denn keiner seiner Söhne möchte den Hof weiter bewirtschaften. Die Höhe des dafür nötigen Kapitals läge so zwischen 1,5 bis 2 Millionen Euro und würde die Haltung von 150 bis 200 Kühen ermöglichen. Peter kennt jemanden, der vor kurzem seinen Hof mit viel Kapital modernisiert hat. Dieser Bauer melkt seit langem nicht mehr selber. Seine Hauptaufgabe liegt darin, den ganzen Tag die zu behandelnden Rinder in der Krankenbox zu betreuen. Andere Aufgaben übernimmt das Personal.

 

Peter aber melkt noch selber, auch wenn er sich am Nachmittag den „Luxus“ einer Aushilfe gönnt oder einer seiner Söhne diese Arbeit von Zeit zu Zeit übernimmt. Seinen „Stundenlohn“ darf er nicht betrachten, denn er arbeitet viel für wenig Geld.

 

Peter meint auch, dass einige Weichen, die in der Landwirtschaft gestellt werden, nicht gut durchdacht sind. Wie z.B. dass die Käfighaltung von Hühnern ausschließlich in Deutschland verboten ist, denn damit wird das Problem der schlechten Haltungsbedingungen in anderen Ländern noch verschärft. Ein europaweites Gesetz wäre seiner Meinung nach notwendig.

 

Für einige Probleme, wie Tiergesundheit, hat Peter seine eigenen Lösungen gefunden: er kreuzt seine schwarzbunten Milchkühe mit einem eigenen Bullen einer belgischen Zweinutzungsrasse, um robustere Nachkommen zu bekommen und um männliche Kälber besser für die Mast verkaufen zu können.

 

Auch die Abschaffung der Milchquoten seit April 2015 findet er wenig hilfreich, weil die erhöhte Produktionsmenge die Milchpreise noch weiter „purzeln“ lässt. Vor einigen Jahren ist er wegen der

 

schwierigen finanziellen Lage vieler Bauern dem BDM (Bundesverband Deutscher Milchviehalter) beigetreten, weil, wie er meint, „es nicht falsch ist, wenn jemand etwas für die Bauern tut“.

 

Dass „etwas für die Bauern getan werden soll“ meinen auch viele Verbraucher und sind z.B. bereit für Milch einen höheren Preis zu bezahlen. Aber hilft dies den Bauern? Wie viel des Geldes kommt davon beim Erzeuger wirklich an? Wieso wurden die Milchquoten abgeschafft? Was heisst „faire“ Milchpreise?

 

Vor 31 Jahren wurde die Milchquote in die damals noch so bezeichnete EG eingeführt. Sie sollte die „Milchseen“ und „Butterberge“ eindämmen und damit einen stabileren Milchpreis ermöglichen. Jeder Betrieb durfte eine vorgegebene Menge Milch für einen Festpreis abgeben. Wurde die Menge überschritten, wurde Strafe gezahlt. Leider stabilisierte diese Maßnahme den Milchpreis nicht. Denn der Verkaufspreis ist nicht nur von der produzierten Menge abhängig. Die Quotenregelung wurde kürzlich abgeschafft, weil sie den gewünschten Effekt nicht hat. Die Pachtpreise sind z.B. auch ein Faktor, der die Konkurrenzfähigkeit beeinflusst. Landeigentümer haben also grundsätzlich einen Vorteil.

 

Wieviel Geld der Bauer für seine Milch bekommt, hängt nicht generell von einem höheren Preis im Geschäft ab. Es gibt z.B. teure Markenmilch, bei welcher das meiste Geld bei der Molkerei und dem Händler verbleibt. Der Bauer geht leer aus.

 

Ob ein Preis „fair“ ist oder nicht, ist auch relativ. Ein Großbetrieb kommt vielleicht mit 30 Cent pro Liter aus. Ein kleinerer Betrieb hat weniger Rücklagen und braucht eher 38 Cent, weil er damit die Schwankungen am Weltmarkt besser verkraften kann. Wenn der schwankende Milchpreis z.B. bei 26 Cent liegt, ist er nicht kostendeckend für die Produktion. Also müssen Möglichkeiten der Kosteneinsparung gefunden werden, wie z.B. billigeres Futter aus anderen EU Ländern oder aus Drittländern. Das kann zu Qualitätseinbußen führen. Oder dazu, dass die Tiere auf kleinerer Fläche gehalten werden und weniger Investitionen in „veraltete“ Anlagen getätigt werden können.

 

Wir als Verbraucher können einen Beitrag zur fairen Bezahlung der Bauern leisten, indem wir die Produkte der Molkereien bzw. Unternehmen kaufen, die wiederum den Bauern das benötigte Geld bezahlen. Im Internet lassen sich viele Marken finden. Wir können aber auch kleine, regionale Anbieter unterstützen, indem wir ihre Milch im Supermarkt oder im Direktkauf erwerben.

 

Weitere Infos finden Sie u.a. im Internet:

 

 

Naturblatt 2016

Fledermäuse im Kreis Heinsberg

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