Den Eichen sollst du weichen...

Naturschutzstation Haus Wildenrath aktiv

 

Von Dr. Brigitta Szyska

 

Von Mai 2012 bis Juni 2015 führte die NABU Naturschutzstation Haus Wildenrath e.V. das Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben (E+E) „Netzwerk Grüne Grenze – Eichen-Birkenwaldverbund Meinweg“ durch. Dabei waren die lokalen Aktivitäten in das Gesamtvorhaben „Netzwerk Grüne Grenze“ eingebettet, in dem entlang der deutsch-niederländischen Grenze in insgesamt vier Landkreisen Maßnahmen zur Verbesserung und Wiederherstellung von Biotopverbünden durchgeführt wurden. Die Finanzierung des Projektes erfolgte durch das Bundesamt für Naturschutz, das Land NRW, die Heinz-Sielmann Stiftung sowie Eigenanteile der Projektpartner.

 

Im Kreis Heinsberg wurden im Rahmen des Projektes bodensaure Eichen-Birkenwälder (FFH-Lebensraumtyp 9190), die in der Meinwegregion als potenzielle natürliche Vegetation vorkommen, vernetzt oder wiederhergestellt.

 

Insgesamt wurden:

  • ca. 60 ha Wald von Kiefern-/Nadelforsten in Eichenwälder umgebaut oder mit Stiel-/Traubeneichen vorangebaut,

  • die ehemalige Kaserne Camp Pinefield in Dalheim wurde vollständig abgerissen und in Teilbereichen entsiegelt,

  • etwa 120.000 Bäume gepflanzt (105.800 Traubeneichen, 11.550 Stieleichen und 2.500 Hainbuchen),

  • auf ca. 50 ha Fläche Eichen freigestellt, um Saatgutbäume zu fördern,

  • bis zu 500 kg an Eicheln gesammelt und 140 Hähertische in der Region aufgebaut, um die Naturverjüngung von Eichen im Projektgebiet und in den umliegenden Waldbereichen zu fördern.

 

Um die abstrakten Zahlen ein wenig zu konkretisieren, sind im Folgenden drei Maßnahmen dargestellt, welche für die Wiederherstellung bzw. Förderung von Eichen-Birkenwäldern umgesetzt wurden.

Luft und Licht für die Eiche

 

Im ehemaligen britischen Übungsgelände in Wegberg-Arsbeck (Größe ca. 120 ha) wurden im Rahmen des E+E-Vorhabens Eichen auf ca. 50 ha von bedrängenden Bäumen (Birken, Kiefern, Fichten u.a.) freigestellt, so dass diese Eichen sich zu Saatgutbäumen entwickeln können und zukünftig zertifiziertes autochthones Eichensaatgut für den weiteren Ausbau von Eichenwäldern in der Region gewonnen werden kann.

Foto: NABU/HW

Vom Pinefield zum Eichenwald

 

Auf der Fläche der früheren britischen Kaserne Camp Pinefield, die nun einen Verbindungskorridor zwischen den Waldflächen und dem ehem. britischen Übungsgelände in Wegberg-Arsbeck darstellt, konnte im Rahmen des E+E-Vorhabens auf einer Fläche von ca. 5 ha Größe eine Biotopneuanlage erfolgen.

 

Bis auf den Schlauchturm der ehem. Feuerwache der Anlage wurden alle Gebäude zurückgebaut. 2.200 m² Fläche sind in dem Rahmen entsiegelt und Kanalschächte wie unterirdische Rohrsysteme sind in Teilen entfernt oder zugeschüttet worden. Weitere Barrieren wie z.B. Maschendrahtzaunanlagen wurden ebenfalls entfernt.

 

Zudem wurde der Bereich massiv durchforstet. Fremdländische Gehölze (Roteichen oder Douglasien) wurden gefällt und die Anzahl von Kiefern und Fichten deutlich reduziert. Im Anschluss an den Abriss und die Durchforstung wurden Teile der Fläche mit Stieleichen bepflanzt. Andere Bereiche werden der natürlichen Sukzession überlassen.

 

Der nicht zurückgebaute Schlauchturm der kaserneneigenen Feuerwache soll nach der Brutzeit zu einem Biotop/Lebensraum für Vögel und Fledermäuse umgebaut werden.

Fotos: NABU/HW

Der Sturm kommt zu Hilfe

 

Auf den im südlichen Bereich des Meinwegs gelegenen Waldflächen der Stadt Wassenberg, bei der Rödger Bahn und Auf dem Schaag, wurden auf ca. 20 ha Fläche zum einen bestehende Kahlschläge wieder bepflanzt sowie ein sogenannter Voranbau mit Traubeneichen unter Kiefern durchgeführt. Dafür wurde der bestehende Kiefernbestand aufgelichtet und großflächig von der Späten Traubenkirsche, die bei uns in Wäldern einen problematischen Neophyten darstellt, geräumt.

 

Insgesamt konnten auf der Fläche fast 100.000 Traubeneichen bzw. Stieleichen gepflanzt werden. Das sind ca. 20.000 Eichen mehr als ursprünglich geplant wurde. Eine Windhose hatte im Juli 2014 den Kiefern stark zugesetzt, so dass diese fast vollständig entfernt werden mussten. Die so entstandenen Freiflächen konnten dann mit noch verfügbaren Projektmitteln mit Eichen wieder aufgeforstet werden.

Fotos: NABU/HW

Die mit dem Häher pflanzen

 

Als eine alle Gebiete übergreifende Maßnahme wurde die natürliche Verjüngung und Verbreitung der Eiche gefördert. Dazu sind insgesamt 140 Hähertische gebaut und im Projektgebiet und darüber hinaus aufgestellt worden. Nach dem Aufbau der Hähertische fanden regelmäßige Kontrollen statt, um zu überprüfen, ob der Eichelhäher die so ausgelegten Eicheln findet. Dabei konnte festgestellt werden, dass 70 % der Hähertische angenommen wurden und die Eicheln nach kurzer Zeit verschwunden waren

Foto: NABU/HW

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Fledermäuse im Kreis Heinsberg

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