NABU gegen niederländische Fracking-Pläne

Grenzüberschreitende Auswirkungen auf Natur und Umwelt müssen berücksichtigt werden In den Niederlanden soll zukünftig unter anderem an der Grenze zu Deutschland unkonventionelles Erdgas gewonnen werden. Bereits ab 2015 könnte dort dann die umstrittene Gasfördermethode Fracking eingesetzt werden. Das zumindest steht in einem Entwurf des niederländischen Wirtschaftsministeriums mit dem Titel „Strukturvision Schiefergas“.

(Internet: http://niedersachsen.nabu.de/imperia/md/content/

niedersachsen/stellungnahmen/fracking_

bekanntmachung.pdf).

Demnach geht die niederländische Regierung von großen Schiefergasvorkommen aus; darunter befinden sich direkt an Deutschland angrenzende Gebiete in den Provinzen Limburg, Nordbrabant und Gelderland. Unmittelbar betroffen wären somit auch die Kreise Heinsberg und Viersen sowie die Städteregion Aachen. Der NABU lehnt die Förderung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten, ob in Schiefer- oder Sandstein, ab. Die Fracking-Technologie, ob in Schiefer- oder sonstigem Gestein, ob in konventionellen oder unkonventionellen Lagerstätten, ist mit zahlreichen Risiken und Gefahren behaftet. Die eingesetzten, umweltgiftigen Stoffe, die Möglichkeit, durch Einsatz der Technologie im Boden natürlich vorkommende Stoffe freizusetzen, der hohe Energie- und Flächenverbrauch bei der Anwendung sowie nicht zuletzt das Erdbebenrisiko stellen Gefahren dar, die in allen Böden und Lagerstätten bestehen. Fracking ist damit aus natur-, umwelt-, energie- und klimapolitischen Gründen abzulehnen, betont der NABU.

 

Was ist Fracking?

 

Hydraulic Fracturing, genannt auch Fracking, Fracing oder auch Fraccing, ist ein

weltweit umstrittenes, teils verbotenes Verfahren zur Förderung von Gas aus unkonventionellen Lagerstätten. Millionen 

Liter Wasser, versetzt mit Tonnen teils hochgiftiger Chemikalien, werden unter hohem Druck in den Boden gepresst, um zuvor gebundenes Gas entweichen zu lassen.

Hydraulic Fracturing wurde erstmals 1947 eingesetzt.

Anfangs wurde mit geringem Druck und teils komplett ohne Chemikalien gearbeitet.

Diese Art von Hydraulic Fracturing wird auch heute noch verwendet, um Trinkwasserbrunnen anzuregen.

Auch in der Geothermie kommt das Verfahren zum Einsatz. Im Jahr 2002/2003 konnte durch die Kombination von Hydraulic Fracturing und Horizontalbohrungen erstmals in den USA Schiefergas wirtschaftlich gefördert werden.

Die Horizontalbohrungen durchbohren unterirdisch Quadratkilometer große Flächen.

Mit Hydraulic Fracturing werden diese Gebiete dann mit der Wasser/Chemikalienmischung durchspült und aufgebrochen.

Durch die erzeugten Risse kann das Gas eine Weile ausströmen.

Schon nach wenigen Wochen lässt der Effekt nach und muss wiederholt werden. Die Abfallrate liegt bei bis zu 85 Prozent im ersten Jahr.

Das heutzutage bei der unkonventionellen Gasförderung eingesetzte Hydraulic Fracturing – auch High-Volume / Slick-Water Hydraulic Fracturing genannt – hat mit dem alten Verfahren bis auf den Namen und dem Einsatz von Wasser und Druck nicht mehr viel gemeinsam.

 

Während Flözgas oder Grubengas auch durch konventionelle Bohrungen gefördert werden könnte, muss Gas, welches in Schiefer- oder Sandsteinschichten gebunden ist, umständlich befreit werden. Dazu werden, ausgehend von horizontalen Bohrungen, Millionen Liter Wasser, Sand und Chemikalien mit über 1300 bar Druck in den Untergrund gepumpt, bis dieser, begleitend von Erdbeben der Stufe 1 bis 3

aufbricht.



Das Wasser-Sand-Chemie-Gemisch dringt in die Risse ein. Das Gas kann durch die künstlichen Risse nach und nach entweichen.

Zwischen 30% und 70% des Wassers wird wieder an die Oberfläche gepumpt. Dabei werden erhebliche Mengen gelöster Salze, Schwermetalle und radioaktive Isotope an die Oberfläche gebracht. Zu den beim Fracking eingesetzten Chemikalien gehören unter anderem Tetramethylammoniumchlorid (akut toxisch schon bei Hautkontakt) und Nonylphenolethoxylat (Einsatz in der Bundesrepublik seit 2003 verboten, Selbstverpflichtung der Industrie zum Verzicht seit 1986) und 2-Butoxyethanol. Eingeordnet werden sie als Krebs erregend und Wasser gefährdend. In Damme wurde erstmals in Deutschland über ein Fracking Versuch von ExxonMobil berichtet. Dort wurden, laut Spiegel, 12 Millionen Liter Wasser und 24.000 Liter Chemikalien eingesetzt. Nur knapp 30 Prozent der Flüssigkeit kam wieder an die Oberfläche. Der Rest liegt, angeblich sicher, immer noch unter dem Naturschutzgebiet am Dümmer See. Ungeklärt ist auch noch, was mit dem kontaminierten Wasser passiert, welches wieder nach oben gepumpt wird.


Belgien lehnt Gasförderung ab

Einem Rundfunkbeitrag im Belgischen Rundfunk zufolge, hat im Oktober 2014 die flämische Regierung entschieden, kein Gas zu fördern. Die neue flämische Regierung hat jetzt nämlich diese Tür erstmal zu gemacht, wie Het Belang van Limburg berichtet. “Flandern wird kein Gasland”, schreibt die Zeitung. Es handele sich um ein zeitweiliges Moratorium, das aber mindestens für zehn Jahre gilt, sagt Ministerin Schauvliege. Erst wolle man absolute Klarheit über die Risiken, die mit dem Fracking verbunden sind. Die Entscheidung in den Niederlanden steht unterdessen noch aus, es bleibt aber zu hoffen, dass auch dort die Vernunft siegt!

Fracking-Verbot in Deutschland

Der NABU fordert von der Bundesregierung ein Fracking-Verbot für ganz Deutschland. „Die Einigung zwischen Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel ist ein fauler Kompromiss zu Lasten des Schutzes von Mensch, Natur und Trinkwasser“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. „Statt eines Fracking-Moratoriums auf Zeit brauchen wir ein dauerhaftes Fracking-Verbot, und zwar in allen Lagerstätten, ob konventionell oder unkonventionell.“ Aus NABU-Sicht müssten auch die Förderung von Erdgas, aus ehemals porösen und nun versiegelten Gesteinsformationen, so genanntes Tight-Gas, sowie der Einsatz der Fracking-Technologie in konventionellen Lagerstätten verboten werden. Die Bundesregierung plant lediglich ein Fracking-Moratorium für Schiefer- und Kohleflözgasvorkommen aus unkonventionellen Lagerstätten bis 3.000 Meter Tiefe bis 2021/2022. Allerdings mit einer weiteren Einschränkung: Forschungs- und Entwicklungsvorhaben sollen zulässig bleiben. Das Moratorium soll 2021 überprüft werden. Für den NABU ist es absolut inakzeptabel, dass über die Erschließung unkonventioneller Lagerstätten in Tight-Gas nachgedacht wird, obwohl bereits die konventionelle Förderung erhebliche Risiken und Gefahren birgt und deren Folgeschäden heute immer wieder zu Tage treten. „Grenzwertüberschreitungen von Giftstoffen um das 15.000fache, deren Verpressung in Trinkwasserschutzgebieten, Benzolaustritte aus Lagerstättenleitungen und Erdbeben belegen, dass der bisherige Rechtsrahmen lückenhaft ist, die Gefahren und Risiken der Erschließung konventioneller Lagerstätten für Mensch und Natur zu bannen“, so Tschimpke. Die Lücken zu stopfen, dazu seien die vorgelegten Eckpunkte unzureichend. Aus NABU-Sicht bedrohen die heute vorgestellten Ausnahmen die Gesundheit von Mensch und Natur. Dazu gehören nicht 


nur  die Gefahren und Risiken durch den Einsatz von umweltgiftigen Stoffen. „Durch Gas-Fracking können auch natürlich im Boden vorkommende Giftstoffe gelöst werden und ins Grundwasser gelangen“, sagte NABU-Energieexperte Ulf Sieberg. Darüber hinaus belegten die dem NABU im Januar zugegangenen Zwischenergebnisse des zweiten Teils des Gutachtens des Umweltbundesamtes zu den Risiken und Gefahren der Fracking-Technologie, dass eine Übertragbarkeit von Erkenntnissen aus

F&E-Vorhaben wegen der unterschiedlichen

Bodenbeschaffenheit nicht von einem

auf andere Standorte möglich seien. Auch aus energie- und klimapolitischen Gründen lehnt der NABU die Erkundung und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten ab. „Der enorme Energie- und Flächenverbrauch spricht gegen die Fracking-Technologie“, so Sieberg. Energieimportabhängigkeit und Versorgungssicherheit ließen sich statt mit Fracking mit Energieeffizienz lösen. Hier warte man aber seitens der Regierung leider immer noch vergeblich auf konkrete Taten.


Naturblatt 2016

Fledermäuse im Kreis Heinsberg

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