Heimische Amphibienim Kreis Heinsberg, von Oliver Gellißen

Gefährliches Dasein / Foto_NABU_J. Fieber
Gefährliches Dasein / Foto_NABU_J. Fieber

Die Erdkröte (Bufo Bufo)

Eigentlich kennt Sie fast jeder, die Kröte! Wenn es aber darum geht, über die Lebensweise dieses interessanten Lurches etwas Näheres zu wissen, hört es meistens schon wieder auf. Daher möchten wir dieses interessante und nützliche Tier etwas

näher vorstellen. Mit ihrem mit warzigen Hautdrüsen übersäten Körper und den hervortretenden, kupferfarbenen Augen galt der Lurch bis ins Mittelalter hinein als das hässlichste Tier der Schöpfung. Als feuchtliebendes Schattenwesen von recht plumper Gestalt, betrachtete man die Erdkröte als guten Zusatz für Hexensalben und die Volksmedizin.

 

Aussehen

Die Erdkröte (Bufo bufo) ist die größte heimische Kröte. Ausgewachsene Männchen erreichen eine Größe von bis zu 90mm und ein Gewicht von ca. 30-50g., Weibchen können eine Größe von bis zu 120mm erreichen mit einem Gewicht von bis zu


dann erfolgen, wenn sich die Tiere gegenseitig berühren und klammern.

 

Systematik

Klasse     Lurche         (Amphibia)

Ordnung  Froschlurche (Anura)

Familie    Kröten          (Bufonidae)

Artname   Erdkröte       (Bufo bufo)

 

Erstmals beschrieben wurde die Art 1758 von Carl von Linné (LINNAEUS)

 

Verbreitung und Lebensraum

Die Erdkröte ist die mit Abstand am weitesten verbreitete und häufigste Kröte Europas. Da sie sehr anpassungsfähig ist, kommt sie in den ökologisch, landschaftlich und geografisch unterschiedlichsten Regionen vor. Die Art fehlt nur im äußersten Norden Skandinaviens und in Island. Die Erdkröte ist genauso in naturbelassenen Wäldern anzutreffen, wie in stark anthropogen veränderten Landschaften oder im Gebirge oberhalb der Baumgrenze.

 

Fortpflanzung

Jedes Jahr im Frühjahr, wenn die nächtlichen Temperaturen zweistellige Grade erreichen, erwachen die Amphibien aus der Winterruhe und machen sich auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Zuerst treffen dort die unverpaarten Männchen ein,

denen oftmals schon verpaarte Weibchen, die so genannten „Doppeldecker“ - also Weibchen mit Männchen huckepack - folgen. Während die Weibchen rechtzeitig nach der Eiablage das Laichgewässer verlassen, halten sich die Männchen noch weitere ein bis zwei Wochen im Wasser auf.

Da zudem die Weibchen nur alle zwei bis drei Jahre ablaichen, ist der Männchenüberschuss an den Laichgewässern erheblich.


Dieser führt zu vielen Kämpfen, aus denen die Stärkeren hervorgehen, die sich dann mit dem Paarungsruf (Achtung, ich bin bereit!) oder einem Befreiungsruf (Vor-

100g., während der Laichphase sogar bis zu 170g. Die Erdkröte besitzt recht große Ohrdrüsen, die sich im Verlauf nach hinten ausweiten. Die Männchen tragen während der Paarungszeit dunkle Hornschwielen auf dem Daumen und den beiden folgenden Fingern. Die Färbung der Erdkröte ist sehr variabel. Die Oberseite ist meistens bräunlich gefärbt und mit einer Vielzahl von Warzen ausgestattet. Die Unterseite ist schmutzigweiß und manchmal grau gesprenkelt. Die wunderschönen Augen der Erdkröte sind kupferfarben bis rotgolden gefärbt.

 

Alter

Die Lebenserwartung beträgt in freier Natur

ca. 10 bis 12 Jahre. In Gefangenschaft ist eine Erdkröte auch schon 36 Jahre alt geworden.


Rufe

Die Rufe der Erdkröten ertönen vorzugsweise zur Paarungszeit. Sie bestehen aus hellen, leisen Lauten, die insbesondere 

sicht, die gehört mir!) bemerkbar machen. Wer dabei ein lautes Konzert erwartet, irrt jedoch. Das „öök öök“ klingt recht verhalten, da Erdkröten anders als Frösche keine äußere Schallblase besitzen und immer nur wenige Männchen rufen.


Der Paarungstrieb ist während der Laichzeit so stark ausgeprägt, dass sie sämtliche sich bewegende oder im Wasser treibende Objekte wie Frösche, Hölzer, aber auch Fische umklammert. Die Weibchen geben wie alle Kröten Laichschnüre ab, die aus 3.000 bis 6.000 Eiern bestehen können. Diese Laichschnüre werden unter Wasser um pflanzliche Substrate gewickelt. Der Durchmesser eines Eis beträgt ca. 1,5- 2mm.


Abhängig von der Umgebungstemperatur entwickeln sich nach mehreren Tagen der Embryonalphase die Kaulquappen (Larven). Die Larven sind einheitlich schwarz gefärbt und können eine Größe von 40 mm erreichen. Ein weiteres auffälliges Merkmal ist das gesellige schwimmen, es können sich so lang- und breitgezogene Schwärme an der oberen (wärmeren) Wasserschicht bilden. Dies dient vermutlich u.a. der Fressfeindabwehr (Imitation eines größeren Tieres). Je nach Umgebungstemperatur erreichen die Larven nach zweieinhalb bis drei Monaten die Metamorphose, bei der sich die Kaulquappen in lungenatmende, vierbeinige Landtiere verwandeln. Dies geschieht meist synchron, so dass gleichzeitig große Mengen der frisch umgewandelten Erdkröten das Gewässer verlassen. Nach der Umwandlung zur juvenilen Erdkröte beträgt die Größe zwischen 7 und 12mm. Während der Metamorphose entsteht eine „Schrumpfungsumwandlung“, bei der sich die Proportionen der Körperteile im Vergleich zur Quappe verteilen und so auch teilweise verkleinern (Schwanz, Rumpf). Nach ca. 3 bis 5 Jahren erreichen die Erdkröten die Geschlechtsreife.



Giftige Schutzschicht

Die abgelegten Laichschnüre und die sich daraus entwickelten Larven könnten ein attraktiver Happen für Fressfeinde sein. Erdkröten sondern allerdings ein verschiedene Gifte enthaltendes Hautsekret ab, das nicht nur ungenießbar ist, sondern für einige Tiere auch tödlich. Selbst als Kaul

quappen werden Erdkröten dank ihres toxischen Schutzschildes von vielen Feinden wie Molchen oder Fischen verschmäht.


Orientierung

Das Wanderverhalten der Amphibien ist mittlerweile recht gut untersucht, doch wie die Erdkröte Jahr für Jahr das gleiche Gewässer wiederfindet, ist noch nicht geklärt.

Dass sie den Laichplatz sehen ist unmöglich, weil die Winterquartiere meist über einen Kilometer entfernt liegen. Da sie bei der Wanderung andere Gewässer durchqueren, ist die Orientierung anhand von „Feuchtigkeitswerten“ auszuschließen. Auch die Vermutung, dass sich Amphibien durch ihren Geruchssinn orientieren, ist durch Verfrachtungsversuche widerlegt worden. Weitere Vermutungen, wie die Orientierung auf Grundlage der Landschaftskenntnis, der Erdanziehung oder der Navigation anhand von Himmelskörpern, konnten bis heute nicht bewiesen werden.


Nahrung

Die Nahrung der Erdkröte besteht aus Insekten, z.B. aus Ameisen, Fliegen, Nacktschnecken, Schnaken und Asseln, also aus zahlreichen Arten, die aus der Sicht des Menschen als Schädlinge gelten.

Die Beutetiere werden während der nächtlichen Beutezüge durch deren Bewegungen aufgespürt und je nach Größe mit der herausschnellenden Zunge gefangen. Die Larven bzw. Kaulquappen weiden Algen und zerfallenes organisches Material ab. Aas wird aber auch nicht verschmäht.


Schönes Leben: Weibchen trägt Männchen / Foto: O. Gellißen
Schönes Leben: Weibchen trägt Männchen / Foto: O. Gellißen

Gefährdung

Die Zerstörung oder Beeinträchtigung von Gewässern durch Zuschütten oder Eintrag von Müll, Dünger und Umweltgiften gefährden die Bestände der Erdkröte.


Auf der Wanderung von den Winterquartieren zu den Laichgewässern müssen die Erdkröten aufgrund der Lebensraumzerschneidung meist auch Straßen überwinden.

Dabei kann es vorkommen, dass in einer Nacht mehrere Hundert oder sogar Tausend Erdkröten Straßen überqueren müssen. Je nach Wetterlage dauert die Amphibienwanderung zwischen wenigen Tagen bis zu vier Wochen.

So fallen viele Tiere dem Straßenverkehr zum Opfer. Selbst das Überfahren mit einer Geschwindigkeit > 30km/h kann durch die Luftverwirbelungen zum Tode führen.

Vor einigen Jahren fand man heraus, dass der von Autos auf der Straße erzeugte so genannte Strömungsdruck Amphibien auch ohne Direktkontakt töten kann.

 

Je größer die Geschwindigkeit der Autos, desto stärker der



Druck. Die Kröten und Frösche erleiden innere Verletzungen.


Neben der Lebensraumzerschneidung können weitere Gefährdungsursachen wie beispielsweise ungesicherte Kellerschächte, Gullys der Straßenentwässerung und Kanaldeckel aufgeführt werden.


Schutzstatus

„Besonders geschützt“ nach Bundesnaturschutzgesetz und Bundesartenschutzverordnung. Besonders geschützte Arten dürfen nicht gefangen, verletzt oder getötet werden.


Schutzmaßnahmen

  • Zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen gehören der Erhalt und die Schaffung neuer Laichgewässer. Als Ersatz für verlorengegangene Laichgebiete können künstlich geschaffene Gewässer, auch im eigenen Garten, dienen.
  • Um eine ausreichende Durchmischung der Individuen zu gewährleisten, müssen die Biotope vernetzt sein, ansonsten droht Inzucht. Renaturierungen von Bächen, Neuanlage von Kleingewässern und Brachlandstreifen zwischen den Biotopen können hier Abhilfe schaffen
  • Auch das Umland muss amphibiengerecht sein, verbringen doch die meisten Amphibien die längste Zeit fernab vom Gewässer. Ein Laichgewässer, das sich mitten im besiedelten Gebiet oder in intensiver Landwirtschaft befindet, wird kaum zum Lebensraum für Amphibien.
  • Möglichst breite, ungenutzte Uferstreifen und extensiv genutzte Grünflächenstellen wichtige Sommerlebensräume dar, aber auch angrenzende Wälder sind ein wichtiger Lebensraum, wo z.B. Totholz zum Überwintern genutzt wird.
  • • Zum Schutz vor dem Straßenverkehr werden an einigen stark betroffenen Straßenabschnitten Amphibienschutzzäune aufgestellt. Meist ehrenamtliche Naturschützer sammeln so Nacht für Nacht die Tiere an den Zäunen, um sie sicher in Eimern auf die andere Straßenseite zu tragen. Als dauerhafte Lösung kommen an den betroffenen Straßenabschnitten allerdings nur geeignete, fest installierte Schutzzäune mit den zugehörigen Tunneln infrage.
  • Auf den Einsatz von Umweltchemikalien sollte – auch im heimischen Garten – verzichtet werden. Durch die Verschmutzung von Gewässern ist so manche Amphibienpopulation zu Grundegegangen. Vor allem die Landwirtschaft mit dem Düngemittelaustrag oder Pestizideinsatz ist ein Problem. Daher sollte um Gewässer eine Pufferzone eingerichtet werden, in der nicht gedüngt oder gespritzt werden darf. Nur so kann eine Eutrophierung (Überdüngung) bzw. Vergiftung von Gewässern verhindert werden.

Literatur

Wer mehr über „Frösche, Kröten und Molche“ wissen möchte, kann beim NABU eine 64-seitige Broschüre beziehen, die alle heimischen Arten vorstellt und Tipps zum Schutz sowie für amphibiengerechte Gärten und Gartenteiche gibt. Einzelbestellung der Broschüre gegen Einsendung von 3,30 Euro in Briefmarken (6 mal 55 Cent) beim NABU-Infoservice, 10108 Berlin. Mehrere Broschüren bitte über den NABU-Natur-Shop bestellen, wo auch weitere Literatur zum Thema erhältlich ist. (www.nabu-natur-shop.de)


Weitere Informationen gibt auch im Internet

unter:

www.nabu-heinsberg.de, www.amphibien-

schutz.de, www.kaulquappe.de




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