Klarstellungen des NABU Kreisverband Heinsberg e.V. zu den Argumenten der "Bürgerinitiative Zwangloser Naturschutz im Kreis Heinsberg" 2.12.2013 


http://www.zwangloser-naturschutz.de/ua.html abgerufen am 29.11.2013

Worum es uns geht

 

Die Kreisverwaltung Heinsberg ist derzeit mit der Landschaftsplanung beschäftigt und hat an mehreren Terminen im Juni 2013 den Entwurf zweier Landschaftspläne II/4 „Wassenberger Riedelland und untere Rurniederung“ sowie III/8 „Baaler Riedelland und obere Rurniederung“ vorgestellt. Die Planung hat bei betroffenen Land- und Forstwirten, Eigentümern von land- und forstwirtschaftlichen Flächen und von Hausgrundstücken und sonstigen interessierten Bürgern (z.B. Angler, Spaziergänger am Effelder Waldsee) große Besorgnis ausgelöst.


Klarstellungen des NABU Kreisverband Heinsberg e.V.

 

 

 

Die Landschaftsplanung ist eine hoheitliche Aufgabe des Kreises Heinsberg im Auftrag des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Landschaftsplanung hat nach dem Landschaftsgesetz (§ 18 LG NRW) folgende Entwicklungsziele:

  1. die Erhaltung einer mit naturnahen Lebensräumen oder sonstigen natürlichen Landschaftselementen reich oder vielfältig ausgestatteten Landschaft als Lebensraum für die landschaftstypischen Tier- und Pflan-zenarten oder die Erhaltung einer gewachsenen Kulturlandschaft mit ihren biologischen und kulturhistorischen Besonderheiten,
  2. die Anreicherung einer Landschaft mit naturnahen Lebensräumen und mit gliedernden und belebenden Elementen,
  3. die Wiederherstellung einer in ihrem Wirkungsgefüge, ihrem Erschei-nungsbild oder ihrer Oberflächenstruktur geschädigten oder stark vernachlässigten Landschaft,
  4. der Ausbau der Landschaft für die Erholung. Zur Erholung gehören auch natur- und landschaftsverträgliche sportliche Betätigungen in der freien Natur,
  5. die Ausstattung der Landschaft für Zwecke des Immissionsschutzes und des Bodenschutzes oder zur Verbesserung des Klimas.

Diese Zielen dienen der Natur und dem Wohl aller Menschen in der Region. Die Ausweisung von Gebieten zum Schutz der Landschaft, der Natur und der naturbezogenen Erholung sind also Teil dieser Planungen und im Interesse der Einwohner und Gäste des Kreises Heinsberg.


Nimmt der Kreis Heinsberg diese Aufgabe nicht wahr, kann die Bezirksregierung Köln über Verordnungen Schutzgebiete einrichten. Das Verfahren des Kreises Heinsberg spricht für eine deutlich bessere Beteiligung der Öffentlichkeit und der Betroffenen vor Ort.


Der NABU weist daraufhin, dass der Kreis deutlich kleinere Flächen unter Naturschutz stellen möchte, als im Regionalplan für den Regierungsbezirk Köln vorgesehen sind: im LP "Baaler Riedelland..." sollen nur 34 % der im Regionalplan für den Schutz der Natur vorgesehen Flächen (BSN-Flächen) unter Naturschutz gestellt werden, im LP "Wassenberger Riedelland..." nur 70 %, zusammen 49 %.


Viel zu wenig ist dies dem NABU Heinsberg, der entlang der Fließgewässer beidseitig extensiv genutzte Schutzstreifen fordert. Auf jeden Fall dürfen die niedrigen Zahlen nicht noch weiter gesenkt werden, sonst wird die Landschaftsplanung zur Makulatur.


Im Mittel werden nicht einmal 10 % der Naturschutzgebietsflächen als Äcker genutzt. Intensiväcker bis an die Böschungskanten von Bächen und Flüssen müssen allein schon im Sinne des dringend notwendigen Wasserschutzes der Vergangenheit angehören. Dass überhaupt Ackerflächen betroffen sind, weil sie bis unmittelbar an die Gewässer reichen, ist das eigentliche Problem.


Außerdem verursachen bevorstehende Maßnahmen zur Renaturierung der Flussläufe Rur, Wurm sowie Erlen- und Teichbach im Zuge der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie durch den Wasserverband Eifel-Rur eine große Verunsicherung in der Bevölkerung. Land- und Forstwirte und Hauseigentümer befürchten einen die Nutzung beeinträchtigenden Grundwasseranstieg in den Niederungsgebieten der Rur, Wurm und des Erlen- und Teichbachs sowie eine erhöhte Hochwassergefahr.

Die Mitglieder der „Bürgerinitiative Zwangloser Naturschutz im Kreis Heinsberg“ haben sich der dargestellten Sorgen der Bevölkerung angenommen. Wir beobachten umweltpolitische Maßnahmen im Kreis Heinsberg und informieren die Bevölkerung über aktuelle Termine, relevante Presseveröffentlichungen und unsere Aktivitäten. Dabei möchten wir klarstellen: Wir befürworten Naturschutz! Er kann und sollte jedoch im Einklang mit den Interessen der betroffenen Eigentümer von land- und forstwirtschaftlichen Grundstücken und von Hausgrundstücken, der Land- und Forstwirte, und weiterer individuell Betroffener (z.B. Angler, Segler, Jäger) erfolgen.

Was wir fordern

 

1. Keine Ausweisung von Naturschutzgebieten ohne Zustimmung der Eigentümer


Land- und Forstwirte fürchten Beeinträchtigungen der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung ihrer Flächen. Die Entwürfe sehen vor, dass Nutzungsänderungen verboten sind. Land- und Forstwirtschaft sind aber generationsübergreifende Projekte. Flächen, deren Nutzung auf den status quo festgeschrieben wird, sind für die Zukunft wertlos, da die Anpassung an zukünftige Herausforderungen untersagt wird. Deshalb müssen die Eigentümer einen Wertverlust im Veräußerungsfall von bis zu 95 % befürchten. Entschädigungsregelungen sind in den Planentwürfen jedoch nicht vorgesehen. Mit anderen Worten: Der von der Allgemeinheit gewünschte und im Grundsatz auch von uns durchaus befürwortete Naturschutz soll mittels rechtlichen Zwangs einseitig auf Kosten der Eigentümer angeordnet werden. Dem treten wir entgegen und befürworten als Alternative den freiwilligen Vertragsnaturschutz bzw. notfalls die Entschädigung der Betroffenen.

2. Umfassende Berücksichtigung der Bürgerbelange bei der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie


Weitere Beeinträchtigungen sind für land- und forstwirtschaftliche Flächen sowie für Hausgrundstücke durch Renaturierungsmaßnahmen im Niederungsgebiet von Rur, Wurm, Erlen- und Teichbach im Zuge der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie durch den Wasserverband Eifel-Rur zu befürchten. Die zuständigen Stellen betonen, künftige Maßnahmen würden ausschließlich im Einvernehmen mit den Betroffenen geplant und durchgeführt. Wir möchten das kritisch beobachten und darauf hinwirken, dass als Betroffene in diesem Sinne nicht nur die Eigentümer von Grundstücken angesehen werden, auf denen bauliche Maßnahmen erfolgen, sondern Alle, auf die solche Maßnahmen mittelbare Auswirkungen haben können, etwa durch Veränderungen des Grundwasserspiegels oder durch erhöhte Hochwassergefahren.

3. Kein Landschaftsplan bevor die vollständige Berücksichtigung etwaiger verbindlicher Pläne des Wasserverbandes Eifel-Rur möglich ist


Nur teilweise lassen die ausgelegten Landschaftspläne erkennen, in welchen Bereichen weitere Maßnahmen im Zuge der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie bevorstehen. Für die Betroffenen ist nicht entscheidend, dass verschiedene Behörden auf unterschiedlicher Rechtsgrundlage tätig werden, sondern welches Ergebnis dabei insgesamt herauskommt. Sind künftige richtlinienbezogene Maßnahmen derzeit nicht vollständig überschaubar, ist dies ein Argument dafür, nicht bereits jetzt mit der Landschaftsplanung voranzupreschen. Nur eine enge Abstimmung und zeitgleiche Beschlussfassung ermöglichen es, die im Raum stehenden Interessen angemessen zu berücksichtigen und Naturschutz aus einem Guss zu betreiben.

1. Es ist gut, wie es ist




Das derzeitige schöne Landschaftsbild ist ein Resultat jahrhundertelanger individuell-verantwortungsvoller Flächennutzung durch Land- und Forstwirte. Der gute Zustand unserer Natur ist das Ergebnis nachhaltigen und maßvollen Naturgenusses durch verantwortungsbewusste Jäger, Angler und Bürger. Kurz: Unsere bewahrenswerte Umgebung ist das Ergebnis gelebter Sozialbindung des Eigentums und freiwilligen Naturschutzes. Missstände, die ein obrigkeitliches Eingreifen gebieten würden, sind für uns nicht erkennbar.

2. Die Festsetzung entspricht einer Teilenteignung


Die Planentwürfe sehen keine Entschädigungsregelungen für die Ausweisung von Naturschutzgebieten vor. Flächen, deren Nutzung auf den Status quo festgeschrieben wird, verlieren an Wert. Das ist nicht nur für den Eigentümer im Falle eines Verkaufes spürbar, sondern auch für den Bewirtschafter von land- und forstwirtschaftlichen Flächen. Bei festgeschriebener Nutzung können sich die Bewirtschafter nicht mehr den Herausforderungen der Zukunft stellen.

Auf Wunsch der Landwirtschaft hat der Kreis Heinsberg bereits auf die Ergebnisse der ersten, umfangreichen und lang andauernden Beratungen zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie gewartet. Dies hat bereits zu Verzögerungen von mehreren Jahren geführt.
Diese Tatsache ist den Verantwortlichen der BI sicherlich bekannt.

Da ein Großteil der Unterstützer der BI Landwirte sind, sollte als erste Maßnahme für den Naturschutz im Rur- und Wurmtal der intensive, großflächige Anbau von Mais und der hohe Eintrag von Pflanzenschutzmitteln und Düngern gesenkt werden, zum Wohl von Böden, Grund- und Trinkwasser, Bächen und Flüssen, zur Förderung der Artenvielfalt und letztendlich zum Wohle des Menschen. Zum Betrieb der Agrargasanlagen können auch andere Substrate eingesetzt werden. [Biogas ist alles außer Bio; daher spricht der NABU von Agrargas].
Werden Naturschutzmaßnahmen allein durch die Landschaftspläne verpflichtend, sind Einschränkungen und Verdienstausfälle für die Landwirtschaft nur über Ausgleichszahlungen zu erreichen und rechtlich durchzusetzen.
Natur-, Fischerei- und Jagdrecht haben i.W. das gleiche Ziel: Schaffung und Erhalt eines artenreichen, angepassten Artenbestands. Von daher wären Naturschützer, Angler und Jäger eigentlich natürliche Verbündete. Leider ist der Artenbestand v.a. der Ackerflächen bereits im letzten Jahrhundert stark verarmt. Feldhamster und Rebhuhn sind fast verschwunden, Kiebitz, Feldhase, Feldlerche und weitere Arten in ihrem Bestand drastisch eingebrochen. Wo bleibt der Aufschrei der Jäger gegen die Ausräumung der Landschaft und gegen die schnelle, Tag und Nacht stattfindende großflächige Ernte, die viele Opfer unter dem Jagdwild fordert? Wo sind die Angler, die gegen die Überdüngung und Pestizidbelastung der Gewässer protestieren?

Was der NABU Heinsberg dazu sagt

 





Wer in Naturgebieten wie sie großflächig im Gebiet der beiden geplanten Landschaftspläne bestehen, noch eine Nutzungsänderung im Sinne einer weiteren Intensivierung im Blick hat, hat nicht verstanden, dass diese Gebiete von herausragender Bedeutung für Mensch und Natur sind. Außerdem sind sie unverzichtbare Gebiete für die Gewinnung sauberen Trinkwasser und für den Hochwasserschutz.

Der Preisverfall hat sich in anderen unter Naturschutz gestellten Gebieten im Kreis Heinsberg in der Vergangenheit nicht gezeigt (mündl. Information Kreis Heinsberg). Im Gegenteil, auch in geschützten und schutzwürdigen Gebieten ist es schwer, Flächen für den Naturschutz zu erwerben.

Den für die BI Verantwortlichen ist sicher bekannt, dass der Vertragsnaturschutz im Kreis Heinsberg nie wirklich viel Fläche sichern konnte und dass die Vertragsflächen seit Jahren zurückgehen. Jetzt Vertragsnaturschutz statt Natur-schutzgebieten zu fordern, ist Augenwischerei. Außerdem wirken Vertragsnaturschutzmaßnahmen auf landwirtschaftlichen Flächen nur ein bis wenige Jahre; danach ist wieder alles beim Alten.

 

 

 

 

Wie oben dargestellt stehen die Landschaftsplanung und die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) nicht in unmittelbarem Zusammenhang. Allerdings hat der Kreis bei der Vorbereitung der Landschaftspläne schon die ersten Ergebnisse der Beratungen zur WRRL abgewartet und in die Planungen einfließen lassen.

Ähnlich den Landschaftsplänen findet bei der WRRL eine Beteiligung einer Vielzahl von Verbänden statt, über die sich alle Betroffenen einbringen können. Die Umsetzung der WRRL ist für alle Staaten der EU verpflichtend.

Der Grundwasserspiegel ist in weiten Teilen des Kreises Heinsberg unnatürlich niedrig. Ursachen sind nicht nur die Tagebaue Garzweiler und Inden, sondern auch bereits heute tief eingeschnittene Bäche und Flüsse, Trinkwasserförderung und Bewässerung in der Landwirtschaft sowie die immer noch zunehmende Versiegelung von Flächen.

Wie stark die Forderungen gegen eine "Normalisierung" der Grundwasserstände sind, lässt sich daran ableiten, dass Renaturierungsmaßnahmen des WVER, die die ökologische Situation verbessern sollen, i.d.R. nicht dazu führen dürfen, dass der Grundwasserstand steigt und sich dem hohen Niveau von Flussniederungen nähert. Renaturierungen können nur durchgeführt werden, wenn sie zu keiner Verschlechterung des Hochwasserrisikos führen, sonst wären sie gar nicht zu genehmigen. Aufgrund der hohen Kosten sind Renaturierungen meist mit Hochwasser-schutz begründet und werden aus entsprechenden Töpfen finanziert.
Leider gibt es im Kreis Heinsberg eine mächtige Opposition gegen sinnvolle Maßnahmen entlang der Fließgewässer. Damit verfallen Gelder von Land und EU, die nicht nur der lokalen Natur und dem Hochwasserschutz sondern auch lokalen Baufirmen, Landbesitzern und Bewirtschaftern zu Gute kommen würden.
Als positive Beispiele seien die Renaturierungen bei Körrenzig, Kaphof und Adolfosee genannt, die Hochwasser- und Naturschutz fördern. Fischerei, Jagd und Kanusport wurden dadurch bereichert und nicht verhindert.

Siehe zu 2

 

 

 

 

Die Verfahren sind voneinander unabhängig.
Der Kreis Heinsberg kann die Maßnahmen der WRRL auch gar nicht vorweg nehmen und verbindlich in den LP darstellen.
Der Kreis prescht mit der Landschaftsplanung sicher nicht vor. Die Landschaftsplanung wurde 1975 mit dem ersten Landschaftsgesetz NRW eingeführt. Die meisten Landschaftspläne (LP) im Kreis Heinsberg sind bereits sehr alt, etwa der LP I/3 "Geilenkirchener Wurmtal" von 1982 und der LB Erkelenzer Börde von 1984. Selbst der jüngst LP im Kreis, der LP III/6 "Schwalmplatte" ist bereits mehr als 10 Jahre alt. Andere Kreise sind seit langem dabei, ihr Landschaftspläne zum ersten oder sogar bereits zum zweiten Mal zu überarbeiten! Und der Aufstellungsbeschluss für den LP II/4 "Wassenberger Riedelland" stammt bereits vom 13.5.1993.
Die Planungen für die Betroffenen kommen übrigens keineswegs überraschend. Alle betroffenen Bewirtschafter wurden bereits 2011 in einer großen, öffentlichen Veranstaltung vom Kreis Heinsberg informiert und darüber hinaus in Interviews betriebsweise zu ihrer Betroffenheit, aber auch zu ihrer Bereitschaft zu Naturschutzmaßnahmen befragt. Dieses Verfahren einer so frühzeitigen Beteiligung, um Konflikte möglichst früh zu lösen, fand als einer der ersten Versuche in NRW statt. Leider ist das Ziel der Konfliktvermeidung nicht erreicht worden, im Gegenteil: Es scheint, dass dadurch das Misstrauen in die Landschaftsplanung noch gefördert wurde.
Wir weisen darauf hin, dass es vielfach erst durch Festsetzungen in Landschaftsplänen möglich ist, Fördermittel von Land, Bund oder EU zu erhalten. Damit würden die Kosten für Naturschutz und naturnahe Erholung lokal relativ niedrig liegen. Damit würde auch viel Geld in die heimische Wirtschaft und Landwirtschaft fließen, denn -eigentlich eine Binsenweisheit- die Natur selbst frisst das Geld nicht auf.

 

Eine Verzögerung der Landschaftsplanung ist nicht im Interesse der Bevölkerung des Kreises Heinsberg und übrigens auch nicht im Sinne des weiteren Ausbaus der naturbezogenen Naherholung und des Tourismus, gerade in den betroffenen Städten Wassenberg, Heinsberg und Hückelhoven.

Es ist überhaupt nicht gut, wie es ist ! Es steht tatsächlich schlecht um die Natur an Rur, Wurm und Teichbach.


Das heutige Landschaftsbild im Rurtal ist das Ergebnis von Begradigungen, Deichbau und hochintensiver landwirtschaft-licher Nutzung. Gehölze sind Mangelware und bestehen zum Großteil aus nicht heimischen Pappeln. Noch vor zwei Generationen hatten Rur- und Wurmtal ein völlig anders Bild. Schön nachzulesen etwa in Knorrs "Vögel des Kreises Erkelenz" von 1967.


Die Tatsache, dass wir das -inzwischen weitflächig freigeräumte- Rurtal als schön empfinden, liegt zum einen daran, dass wir dort weit sehen können und alle Gehölze und vermeintlich "schönen Gebiete" zum Greifen nahe scheinen. Zum anderen wissen die Menschen der inzwischen zwei jüngsten Generationen gar nicht mehr um die Vielfalt unserer heimischen Landschaft.
Wer dies trotzdem noch glaubt, frage sich, warum wir so gerne an naturnähere Flüsse fahren, etwa in Südfrankreich, Skandinavien oder Kanada? Empfehlenswert ist ein Besuch an der renaturierten Lippe, ebenfalls ein Tieflandfluss. Aber schon keine 20 km entfernt kann man an der Maas erkennen, wie beeindruckend die befreite Natur sich entwickelt und der Hochwasserschutz verbessert wird. Das Ganze ist langfristig auch preiswerter als ständige Hochwasserschutzmaßnahmen gegen die Natur.


Vernichtend für das Landschaftsbild ist insbesondere der Maisanbau: wer entlang der Rur im Sommer durch großflächige Maisfelder wandert oder radelt, kann gar keine Landschaft mehr wahrnehmen, nur noch diese Monokultur. Es ist sehr zu hoffen, dass wir im Kreis Heinsberg keine Bayerischen Verhältnisse bekommen. Dort wird schon auf 40 % der Ackerbaufläche Mais angebaut, vorwiegend für Agrargas.


Mehr Natur in der Aue fördert die Struktur- und Artenvielfalt, sie bringt Fischen Laichplätze und Jagdwild Schutz und Nahrung. Von daher sind Angler und Jäger die großen Profiteure einer naturnahen Landschaftsentwicklung. Warum sonst stehen an vielen Renaturierungen bereits nach kurzer Zeit Ansitzeinrichtungen?


Die Begradigung der Flüsse fand statt, um landwirtschaftliche Nutzflächen zu schaffen, in einer Zeit, da die Entbehrungen und Nöte des zweiten Weltkriegs bereits lange vorbei waren. Die Begradigung diente nicht dem Hochwasserschutz und sie fand statt, obwohl man bereits wusste, dass es für den Hochwasserschutz eher schädlich sein könnte.


Es ist an der Zeit, einen Teil der Sünden der Vergangenheit wieder gut zu machen. Der Hochwasser- und Trinkwasserschutz lässt uns auch gar keine andere Wahl!

 

 

 

Gemeinwohl geht über Einzelinteressen.
Wer wertvolle Naturgebiete besitzt, darf sie nicht allein für den persönlichen Profit ruinieren. Der dauerhafte Maisanbau führt nicht nur zur immensen Ausbringung von Mineraldünger, Gülle und Pestiziden, sondern zerstört auch die Bodenchemie und verstärkt die Erosion!
Die Herausforderungen in der Landwirtschaft bedeuten und bedeuteten schon immer gravierende Änderungen der Produktionsweise. In naturnahen Räumen wie dem Rurtal können die Veränderungen aber nur auf eine Extensivierung hinaus laufen. Trotz der Intensivierung in der Vergangenheit sind die Zahlen landwirtschaftlicher Betriebe und in der Landwirtschaft fest Beschäftigter im Kreis Heinsberg seit Jahrzehnten gesunken.


3. Naturschutz von und für die Allgemeinheit


Naturschutz liegt im Interesse von uns Allen. Deshalb sollten auch seine Kosten von der Allgemeinheit getragen werden.

Landwirtschaft und auch Forstwirtschaft werden seit kurz nach dem zweiten Weltkrieg von Bund und EU mit immensen Beträgen unterstützt. Jeder Landwirt erhält in Nordrhein-Westfalen pro Jahr mehr als 350 € pro Hektar (Stand 2012) einfach nur dafür, Flächen landwirtschaftlich zu bewirtschaf-ten und dabei die Gesetze einzuhalten. Bezogen auf 65 % landwirtschaftlicher Nutzfläche im Kreis (2006, BezReg Köln) werden daraus etwa 14 bis 15 Mio. € pro Jahr !
Dazu kommen weitere Förderungen, etwa der für den Normalbürger selbstverständliche Schutz des Trinkwassers, insbesondere in Trinkwasserschutzzonen.
Die Landwirtschaft ist mit über 30 % der Ausgaben nach wie vor der mit Abstand größte Haushaltsposten in der EU, die sich aus unser aller Steuergelder finanziert. Damit steht es der Gesellschaft zu, Natur- und Hochwasserschutz von den Mittelempfängern zu verlangen.
Es sei auch erwähnt, dass die allermeisten Gelder im Vertragsnaturschutz und die Kosten für Ausgleichsmaßnahmen z.B. für den Bau der B 221n und der B 56n an im Kreis wirtschaftende landwirtschaftliche Betriebe fließen. Und von den Geldern im Vertragsnaturschutz fließen in Deutschland etwa 95 % in die Landwirtschaft und nur 5 % in die Forstwirtschaft.


4. Doppelte Betroffenheit durch die Wasserrahmenrichtlinie


Der Kreis plant ohne hinreichende Abstimmung mit dem Wasserverband Eifel/-Rur. Das ist weder im Sinne der Natur, noch den betroffenen Bürgern zumutbar. Hier ist für viele Bürger eine doppelte Belastung zu befürchten. Nur eine enge Abstimmung der Behörden und Verbände ermöglicht eine angemessene Abwägung alle im Raum stehenden Interessen. Unkoordinierte Maßnahmen schmälern auch den möglichen Ertrag für die Natur.

 

 

 

Den Verantwortlichen der Bürgerinitiative dürfte bekannt sein, dass der Kreis Heinsberg längere Zeit auf die ersten Ergebnisse der Beratungen zur WRRL gewartet hat (s.o.). Der Kreis Heinsberg ist selbst mit mehreren Ämtern und über seine Mitgliedschaft im Wasserverband Eifel-Rur an den Beratungen zur WRRL beteiligt.
Hier streuen die Verantwortlichen der Öffentlichkeit Sand in die Augen, wenn sie behauptet, es finde keine Abstimmung statt.

Der NABU weist darauf hin, dass es derzeit neben der Landschaftsplanung und der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie auch Planungen im Rahmen der Europäischen Hochwasserschutzrichtlinie gibt, die u.a. zum Ergebnis haben werden, dass weitere Bebauungen, Versiegelungen, Intensi-vierungen und Grünlandumbruch im Hochwasserschutzbereich nicht mehr möglich sein werden.
Wir sollten und müssen die Chance nutzen, Trinkwasser-, Hochwasser- und Naturschutz gemeinsam umzusetzen. Dann gibt es Gewinner auf allen Seiten? Wasser und Topografie geben uns den Raum vor.

 

 


5. Der Flächendruck wird ohne Not erhöht


Der Tagebau drängt von Süden in das Gebiet des Kreises Heinsberg, niederländische Pächter von Norden. Die vorgesehene Landschaftsplanung führt zu einer Erhöhung des ohnehin schon bestehenden Flächendrucks, damit zum Anstieg von Pachtpreisen, und gefährdet so auf mittelfristige Sicht noch lebensfähige Betriebe.

 

 

Der Tagebau frisst derzeit tatsächlich große Flächen im Osten von Erkelenz, gibt später aber den Großteil zurück an die Landwirtschaft. Große Grundbesitzer sind bereits von dort in benachbarte Kreise umgesiedelt !
Nicht erwähnt wird hier, dass durch den Bau von Straßen, Bau- und Gewerbegebieten auch große Flächen verloren gehen.
Nach einer PM der Landwirtschaftkammer NRW vom 28.1.13 stiegen die Preise für landwirtschafliche Flächen in NRW von 2011 auf 2012 um 6,4 %. Dafür ist landesweit kaum die Landschaftsplanung zur Verantwortung zu ziehen, bestehen in den meisten Kreisen doch seit Jahren bis Jahrzehnten flächendeckend Landschaftspläne.


Landesweit betrachtet liegt der Kreis bei den Bodenpreisen nach dieser PM nicht im oberen Bereich. Er liegt allerdings auch nicht im niedrigsten Bereich, wo Kreise mitHeinsberg können natürlicherweise nicht niedrig liegen, gehö-ren die Böden in unseren Bördeflächen doch zu den besten, ertragreichsten und damit wertvollsten Böden in Deutschland.


Die Pachtpreise für Ackerflächen werden in weiten Teilen Deutschlands derzeit v.a. durch den boomenden Maisanbau in die Höhe getrieben. Mit Mais für Agrargas können Landwirte Pachten bezahlen, die viele, besonders kleine Betriebe sich nicht leisten können. Um es klar zu sagen: Intensivierung und Maisanbau fördern das Höfesterben. [Hintergrund: Im Kreis Heinsberg ist etwa 60 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche nicht im Besitz der Bewirtschafter sondern Pachtland.]


Dass der Druck auch durch Pächter aus benachbarten Ländern zunimmt, sollte uns zu denken geben. Besonders in den Niederlanden werden die Böden durch hochintensive Landwirtschaft zunehmend ruiniert. Es ist zu hoffen, dass die Verpächter im Kreis Heinsberg den wahren Wert ihrer Böden kennen und nicht nur auf den kurzfristigen Gewinn schielen. Denn auch hier gilt: Eigentum verpflichtet.


Die guten Böden erlaubten in der Vergangenheit die Gewinnung besten Trinkwassers mit relativ geringem Aufwand. Inzwischen ist das Grundwasser im Kreis weiträumig so stark mit Nitrat belastet, dass der ab 2015 geltende EU-Grenzwert von 50 mg/l kaum noch zu erreichen ist. Und dabei haben die großen Güllefrachten der letzten Jahren das Grundwasser noch gar nicht erreicht! hohem Grünlandanteil genannt werden. Die Bodenpreise im Kreis Ein weiterer Punkt für steigende Grundpreise ist die Tatsache, dass Spekulanten erkannt haben, dass Böden nicht vermehrbar sind und man auch mit Flächen im Kreis Heinsberg große Gewinne machen kann. [vgl. Anzeigen in Tageszeitungen und Wochenblättern mit Texten wie "Ackerland gesucht, zahle jeden Preis"].


Es ist nicht nur aus der Sicht des Naturschutz dringend notwendig, in Natur- und Trinkwasserschutzgebieten rück-sichtsvoller zu wirtschaften. Dazu muss sich die von der Gesellschaft hoch subventionierte Landwirtschaft in diesen Räumen anpassen. Sonst zahlen wir künftig noch einmal für die Landwirtschaft, diesmal zur Beseitigung der Schäden, die mit unseren Steuergeldern angerichtet wurden.


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