Foto: Feuster / NABU
In zwei vom Landschaftsverband Rheinland geförderten Projektensetzt der NABU seinen Einsatz zum Schutz des Lebensraums Streuobstwiese fort. Michael Straube berichtet.
Eine neue Kooperation des Landschaftsverbands Rheinland macht es möglich, dass sich die NABU-Naturschutzstation Haus Wildenrath wieder intensiver mit dem Schutz der heimischen
Streuobstwiesen beschäftigt. Zur Erinnerung: Die Erfassung der Streuobstwiesen und der Steinkauzreviere im Kreis Heinsberg waren die ersten Projekte, mit denen die Station in den Jahren 2002-2004
ihren Betrieb aufnahm. Im Jahr 2006 erfolgte dann erstmals eine Erfassung der alten Obstsorten im Kreis Heinsberg. Damals wurden bereits 32 Apfel- und acht Birnensorten nachgewiesen.
In der Sortenausstellung präsentierte die NABU-Naturschutzstation im Herbst 2008 über 70 verschiedene Obstsorten, die im Kreis Heinsberg wachsen.
Rettung alter Lokalsorten
Aktuell hat die Station die Möglichkeit genutzt, über eine Kooperation des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) mit den Biologischen Stationen im Rheinland ihren Einsatz im Streuobstwiesenschutz
zu intensivieren. In einem Projekt, das die Biologischen Stationen im Rheinland gemeinsam durchführen, geht es um die Rettung regionaler Obstsorten. Viele Wiesenbesitzer kennen die Obstsorten auf
ihren Flächen nicht mehr. Mit dem Tod der Wiesenbesitzer geht viel Wissen verloren, viele Bäume verfallen mangels Nutzung und Pflege oder die Wiesen werden bebaut. Um zu verhindern, dass nur
lokal angepflanzte Sorten aussterben und damit ein Stück regionaler Kultur verloren geht, haben die Stationen im Jahr 2008 in ihren Kreisen lokale Obstsorten gesucht und bestimmt oder zur
weiteren Bestimmung an Fachleute (Pomologen) geschickt. Obwohl die Auswertung bei Redaktionsschluss noch lief, steht fest, dass im Kreis Heinsberg mehrere Lokalsorten vorkommen, unter anderem der
Schöne von Elmpt und das Rheinische Seidenhemdchen (beides Äpfel) sowie die Bocketer Grüne (Birne), außerdem seltene, weiter verbreitete aber kaum noch im Handel erhältliche Sorten wie die
Bergamottebirne, die wie ein Apfel aussieht. Von diesen Sorten sollen 2009 Reiser gewonnen und damit Jungbäume veredelt werden, um sie für die Zukunft zu erhalten und evtl. auch wieder verstärkt
im Kreis Heinsberg anzupflanzen. Die gesammelten und angelieferten Äpfel, Birnen und Quitten hat die Station im Herbst in einer Sortenausstellung präsentiert, wo zeitweise über 70 im Kreis
angebaute Sorten zu sehen waren.
In aller Munde – Kulturlebensraum Streuobstwiese
Ein weiteres, vom LVR gefördertes Projekt dient dem Schutz der Obstwiesen im Kreis Heinsberg. Viele der Flächen drohen zu verschwinden (Gründe s.o.). Und zahlreiche Bäume leiden an einer
mangelnden Pflege. Der Schnitt unserer Obstbäume hat nämlich keineswegs (nur) kosmetische Gründe: durch den Schnitt werden sie zu stabilen, gut zu beerntenden, langlebigen und ertragreichen
Bäumen regelrecht „erzogen“. Gerade in den ersten zehn Jahren sind so genannte Erziehungsschnitte notwendig. Aber auch bei sehr alten, lange ungepflegten Pflanzen kann ein Schnitt die Vitalität
und den Ertrag wieder steigern. Mit Schnittseminaren für Obstwiesenbesitzer und durch den Schnitt alter Bäume auf wertvollen Streuobstwiesen trägt die Station zum Erhalt von Obstwiesen bei. Ein
Grund für den Verfall der Wiesen ist die heute immer weniger stattfindende Nutzung des Obstes.Früher hatte nahezu jedes
Dorf eine kleine Mosterei, wo jedermann köstlichen Saft aus seinen Äpfeln erhalten konnte. Heute existiert in Wegberg-Holtum
der letzte Betrieb dieser Art im Kreis Heinsberg. Die Anfahrt ist für viele Wiesenbesitzer sehr weit. Die Station hat daher zwei Handpressen mit Obstmühlen angeschafft, die in der Station
verliehen werden und allen Obstbesitzern erlauben, zu Hause ihren eigenen Saft zu erzeugen. Außerdem war 2008 an vier Terminen eine mobile Saftpresse in Haus Wildenrath zu Gast, die aus Äpfeln,
Birnen und Quitten köstlichen Saft presste und direkt haltbar verpackte. Über 80 Anlieferer haben dort den frischen Saft aus ihren eigenen Früchten erhalten.
Foto: Feuster / NABU
Obstmobil mit Schulklasse: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Eine Schulklasse lernt, wie die vielfältigen Apfelsorten zu herrlich schmeckendem Saft verarbeitet werden.
Im Winter oder im Frühjahr wird die NABU-Station im Rahmen dieses Projektes bei Wildenrath noch eine große Schauwiese mit typischen Apfel- und Birnensorten anlegen. Sie soll öffentlich zugänglich
sein und jedermann die Vielfalt heimischer Sorten, aber auch den fachgerechten Schnitt zeigen.
Interessenten gesucht
Der NABU sucht noch Menschen, die sich für die Pflege von Streuobstwiesen interessieren. Neben eigenen Flächen sollen auch wertvolle alte Bestände ehrenamtlich gepflegt werden. Schnittkurse
bietet die NABU-Naturschutzstation im Winterhalbjahr 2008/9 an. Gerne würde der NABU eine Gruppe von freiwilligen Streuobstwiesenbetreuern aufbauen.
Informationen gibt es bei Katharina Tumbrinck, Tel. 02432-907226.