Rheinischer Obstsortengarten

2011 hat sich im Rheinischen Sortengarten wieder viel getan. Katharina Tumbrinck von der NABU-Naturschutzstation Haus Wildenrath berichtet über den aktuellen Projektstand.

Das Jahr 2011 begann mit einer wunderbaren neuen Zusammenarbeit. Bei mir meldete sich Bert Lynen von Berg, der privat im Kreis Heinsberg in den letzten Jahren alte Obstsorten gesammelt und bei sich veredelt hat. Da ihm nicht genügend Platz für all die Bäumchen zur Verfügung stand, haben wir zusammen überlegt, ob nicht der Sortengarten eine neue Heimat für diesen Schatz werden könnte.

 

Herausgekommen ist dabei die Idee eines 200 m langen doppelreihigen Spaliers. Dort wurde ein Teil der Sorten gepflanzt. Der Clou am Spalier ist die Möglichkeit, ohne Probleme auf mehreren Höhenstufen 5 verschiedene Sorten pro Baum in den nächsten Jahren veredeln zu können. So kann platzsparend eine noch größere Menge an Reisern einzelner Bäume oder Sorten für die Zukunft gesichert werden. Da in vielen Fällen die Sortenbestimmung derzeit unsicher, schwierig oder sogar unmöglich ist, kann selbst bei Verlust des Ursprungsbaumes in späteren Jahren die jeweilige Sorte weiterveredelt und ausgepflanzt werden. Damit die jungen Bäume gut anwachsen konnten, spendete die Firma juwi BIO GmbH großzügig „Palaterra Erde“, in die alle Bäume des Spaliers während einer kleinen Pflanzaktion hingesetzt wurden. Die Besucher können in wenigen Jahren durch ein wunderschönes Baumspalier den Sortengarten auf dem Hauptwanderweg durchqueren.

 

Zusätzlich wurde für mehrfach vorhandene Sorten ein Reisergarten angelegt, in dem Unterlagen für weitere Reiser zur Veredelung als Vorrat gehalten werden. Auch das eigene Veredeln war im letzten Jahr Neuland für uns. Von vielen unbekannten Obstsorten wurden dafür Reiser geschnitten und in einem speziellen Schnitt so auf eine Unterlage gesetzt und fest verbunden, dass Unterlage und Reis miteinander verwachsen können. Schon bei der ersten Aktion sind fast alle Reiser angegangen. Wir können bei diesen Pflanzen jetzt absolut sicher sein, dass sie auch wirklich die ausgewählte alte und seltene Sorte tragen.

 

Überzählige Bäume geben wir gerne an Interessierte ab. Sie können als Busch, Viertel- oder Halbstamm gezogen werden und passen daher auch in kleinere Gärten. Die Sortenliste stellen wir auf Anfrage gern zur Verfügung. Unterstützt wurden wir über das ganze Jahr auch wieder von vielen Helferinnen und Helfern. Besonders wichtig war die 3-wöchige Mitarbeit von 4 Schulpraktikantinnen der Waldorfschulen in Mönchengladbach und Köln. Da das Praktikum in das trockene Frühjahr fiel, erfreute sich das tägliche Gießen großer Beliebtheit. Diese Trockenzeit war sehr kritisch, ohne Gießen wären bei den Bäumen und dem neuen Spalier sicher größere Verluste aufgetreten. Im Herbst besuchte uns dann der Förderzweig der Rudolph-Steiner-Schule Bochum. Schwerpunkt hier war ein Vermessungspraktikum. Der ganze Sortengartengarten wurde ausgemessen und die Pflanzstellen für die neuen Bäume genau fixiert. Daneben wurden aber auch Zäune erneuert und andere praktische Arbeiten erledigt. Im Herbst ist dann Monika Neumann, die schon lange zum treuen ehrenamtlichen Helferkreis zählt, zum hauptamtlichen Team gestoßen und hat die gärtnerischen Arbeiten im Sortengarten übernommen.

 

Obstsortenausstellung

Besonderer Beliebtheit erfreute sich im Herbst wieder die Sortenausstellung auf Haus Wildenrath. 4 Monate waren insgesamt ca. 100 Sorten an Äpfeln und Birnen ausgestellt und konnten bestaunt und probiert werden. Gerade bei Kindern war das eine beliebte Sache. In Verbindung mit der Obstsortenausstellung finden auch die umweltpädagogischen Programme für verschiedene Gruppen und Schulklassen statt.

Obstsortenausstellung (Foto: Gellißen) Obstsortenausstellung (Foto: Gellißen)

Infostand Haus Hohenbusch

Erstmals waren wir mit einer großen Sortenausstellung auf dem Bauernmarkt auf Haus Hohenbusch vertreten. Das Wetter war fantastisch und der Zuspruch war es auch. Meist mussten wir zu viert die Fragen der Interessierten beantworten und haben sicher viele neue Freunde finden können.

Da der Landschaftsverband Rheinland seine finanzielle Förderung weiterführt, kann der Aufbau des Rheinischen Sortengartens auch im Jahr 2012 zügig weitergehen. So werden die letzten noch freien Pflanzfelder vorbereitet. Am 17. März findet dann das nächste Pflanzfest statt, zu dem alle Interessierten eingeladen sind.

Ein ganz besonderes Highlight wird 2012 die Einweihung des Sortengartens für die Öffentlichkeit sein. Mit einem Einweihungsfest am 26. August wird der 1. Rheinische Obstsortengarten ständig geöffnet sein. Der Rheinische Sortengarten ist dann integriert in einen 2,5 km langen Obstrundweg durch das Gelände um Haus Wildenrath herum.

 

Projekt Alte Obstsorten

Seit Januar 2011 ist das Handbuch „Lokale Obstsorten im Rheinland - vom Aussterben bedroht!“ erschienen.

 

In diesem Buch werden 49 lokale Obstsorten des Rheinlandes beschrieben.

 

In einer Liste sind weitere Obstsorten aufgeführt, die noch gesucht werden bzw. sich noch in Bearbeitung befinden. Diese und weitere Sorten werden in einem zweiten Band in den nächsten Jahren erscheinen. Für den Kreis Heinsberg werden noch folgende Sorten gesucht: ÄPFEL: Dr. Seeligs Orangenpepping, Schöner von Brachelen, Mösoete, Edelrenette, BIRNEN: Gangelter Zwiebelbirne, Grassbirne. Das Handbuch ist in der NABU-Naturschutzstation oder bei den regionalen Obstbaumschulen für einen Unkostenbeitrag von 5 € erhältlich.

Fledermäuse im Kreis Heinsberg

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