Fledermäuse sind faszinierende Tiere und wichtige natürliche Insektenbekämpfer. Michael Straube gibt einen aktuellen Überblick über den Stand der Fledermausforschung im Kreis Heinsberg.
Aufgrund ihrer Nachtaktivität, geringen Größe und für den Menschen meist unhörbaren Rufe sind sie schwer nachweisbar. Oft wissen Hausbesitzer nichts von ihren heimlichen Untermietern. Ängste vor Fledermäusen sind unbegründet. Sie beißen für ihre Quartiere an Häusern nichts kaputt und tragen kein Material ein. Lediglich etwas Kot sammelt sich unter ihren Hangplätzen und Einflügen an. Von Fledermäusen, ihrem Kot und Urin geht i.d.R. keine Gefahr für den Menschen aus. Beißen lassen sollte man sich aber von Fledermäusen wie auch von anderen Wild- und Haustieren nicht. Daher sollte man Fledermäuse nur mit Handschuhen oder einem festen Tuch anfassen.
Seit 1989 untersucht der NABU Kreisverband Heinsberg die Verbreitung und Häufigkeit von Fledermäusen im Kreis. Dabei setzen wir
folgende Methoden ein:
Quartierkontrollen (Dächer, Fledermauskästen, Winterquartiere), Fledermaus-Detektoren, Umfragen, Netzfang und seit 2010 auch Telemetrie.
Zur Erforschung und zum Schutz unserer Fledermäuse sucht der NABU Mitstreiter, die Spaß daran haben, mit der Leiter durch den Wald zu ziehen oder staubige Dachstühle auf Fledermäuse zu untersuchen.
Wimperfledermäuse in einem Dach-stuhl in Wassenberg, Foto: M. Straube
Außerdem suchen wir engagierte Hausbesitzer, Pastöre, Kirchenvorstände, Dachdecker, Zimmerer, Schreiner, Schornsteinfeger und Vertreter anderer Berufsgruppen, die Lust und Spaß daran haben, den nützlichen und interessanten Fledermäusen Quartiere zu schaffen und die Fledermäuse im Kreis Heinsberg weiter zu untersuchen.
Fledermausarten im
Kreis Heinsberg
Seit 1989 wurden vom NABU Kreisverband Heinsberg im Kreis folgende Fledermausarten nachgewiesen (mit abnehmender Häufigkeit):
Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) - jagt überall im Kreis in Dörfern und Städten, an Gewässern und Wäldern, viele Quartiere und Wochenstuben bekannt
Wasserfledermaus (Myotis daubentoni) - an allen größeren Fließgewässern, Mühlenteichen und Baggerseen, mehrere Winterquartiere und einzelne Sommerquartiere bekannt, kreisweit verbreitet
Großer Abendsegler (Nyctalus noctula) - an vielen größeren Gewässern und über Grünland jagend, regelmäßig in Fledermauskästen, kreisweit verbreitet
Braunes Langohr (Plecotus auritus) - in vielen Wäldern (Kästen) und Dachstühlen im ganzen Kreis, kreisweit verbreitet
Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus) – verbreitet aber nicht überall häufig in Siedlungen, kreisweit verbreitet
Kleiner Abendsegler (Nyctalus leisleri) – vermutlich kreisweit verbreitet, wenige Funde, aber auch Fortpflanzungsnachweise
Rauhhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) - regelmäßiger Durchzügler im Frühjahr und Herbst, mehrere Tierfunde, vermutlich kreisweit Wintergast
Wimperfledermaus (Myotis marginatus): Erstnachweis 2005; derzeit viele Sommerquartiere und ein Winterquartier bekannt, einzige Wochenstube in Norddeutschland im Kreis Heinsberg
Kleine Bartfledermaus (Myotis mystacinus) – mehrere Winterquartiere im Süden des Kreises Heinsberg
Fransenfledermaus (Myotis nattereri) – Winterquartiere im Südkreis, ein Netzfang im Norden des Kreises
Braunes Langohr (Foto: M. Straube)
(Myotis dasycneme) – zwei Funde moribunder (todgeweihter) Tiere, vermutlich im Frühjahr und Herbst regelmäßig durchziehend
Graues Langohr (Plecotus austriacus) - ein Nachweis einer Wochenstube (90er Jahre, erloschen), weitere Vorkommen möglich
Zweifarbfledermaus (Vespertilio murinus) - Erstnachweis eines schwer verletzten Tieres im Juni 2002
Vier weitere Arten können aktuell oder in Zukunft im Kreis Heinsberg vorkommen:
Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus) – bisher nur in einzelnen Gutachten nachgewiesen, mehrere Funde in Mönchengladbach, vermutlich auch im Kreis Heinsberg verbreitet, aber deutlich seltener als die Geschwisterart Zwergfledermaus
Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteini) – kein Nachweis im Kreis Heinsberg, aber im benachbarten Limburg und in Jülich, Ausbreitung in den Kreis Heinsberg mit zunehmendem Waldalter und steigenden Temperaturen zu erwarten
Großes Mausohr (Myotis myotis) – ein alter Nachweis im Erkelenzer Land, Ausbreitung in den Kreis Heinsberg durch Herrichtung großer Dachstühle zu erwarten
Große Bartfledermaus (Myotis brandti) – deutlich seltener als die Kleine Bartfledermaus, möglicherweise gelegentlich im Kreis Heinsberg vorkommend
Ansprechpartner der
AG Fledermausschutz im
NABU Heinsberg
Dipl.-Biol. Michael Straube
Tel.: 02434-8094043
Tel.: 0177-8892450
Oliver Gellißen
Tel.: 0176–48035320
Fledermauslinks
Zwergfledermaus (Foto: O. Gellißen)
Die Fledermaus in meinem Garten
Fledermäuse sind selten, denken die einen. Aber, was sehen wir nachts schon? Fledermäuse gibt es überall, denken die anderen. Das stimmt schon eher, wohnen viele Fledermäuse doch bei uns am Haus, in Spalten und Dächern und jagen gerne an Straßenlaternen, über Gärten und Teichen.
Welche Fledermäuse in unseren Gärten fliegen, ist aber gar nicht so einfach herauszufinden. Schließlich ist es dämmrig bis dunkel und wir können die Tiere kaum sehen, geschweige denn Größe und Bestimmungsmerkmale dieser kleinen, meist braunen Arten erkennen. Da sie meist schnell fliegen, helfen uns auch moderne Kameras kaum weiter. Aber Fledermäuse machen sich bemerkbar, wenn man denn moderne Technik einsetzt. Fledermäuse schreien beim Flug fast die ganze Zeit. Weniger zu Kommunikationszwecken mit anderen Tieren, vielmehr finden die Fledermäuse mit den Echos ihrer Rufe eine freie Flugbahn und Beute.
Genau diese Rufe nutzen die Fledermausforscher vom NABU Heinsberg, um Fledermäuse auch noch in absoluter Dunkelheit zu finden und die Arten zu bestimmen. Leider ist das gar nicht so einfach. Rufe jagender Fledermäuse klingen für unser Ohr sehr ähnlich und lassen sich nur schwer unterscheiden. Im Gegensatz dazu können wir schnell ein paar Dutzend Vögel an ihren Rufen unterscheiden. Die Balzrufe der Vögel sollen sich ja von Art zu Art deutlich unterscheiden. Fledermausrufe, die zur Orientierung genutzt werden, müssen dagegen ähnlich sein, haben sie doch für alle Tiere die gleiche Bedeutung: Flugwege und Nahrung zu erkunden. Das führt umgekehrt dazu, dass Fledermausrufe in unterschiedlichen Flugsituationen sehr unterschiedlich klingen können. So rufen die Tiere hoch in der Luft meist langsam und tief, während sie im dichten Wald schnell und hoch rufen.
Die moderne Technik macht es möglich, Fledermausrufe aufzunehmen und anschließend am Computer zu bestimmen, in einfachen Fällen auch bestimmen zu lassen. Dazu werden Geräte mit Ultraschallmikrophonen, so genannten Fledermausdetektoren, zur Aufnahme eingesetzt. Mit Hilfe von Hightech werden die Rufe dann in Originalfrequenz oder verlangsamt aufgenommen.
Diese Technik setzt der NABU Heinsberg nun auch ein, um Fledermäusen in Orten, Wäldern und Gärten im Kreis Heinsberg zu erfassen. Das Gerät wird auch für eine oder wenige Nächte verliehen, so dass Schulen und Besitzer großer, naturnaher Gärten damit Fledermäuse aufnehmen können. Anschließend analysiert der NABU die aufgenommenen Rufe und gibt Tipps zur Förderung und zum Schutz der Fledermäuse.
Vielleicht finden wir damit ja noch das ein oder andere unbekannte Quartier oder sogar eine neue Art für den Kreis. Derzeit sind 13 Arten bekannt.
Interessenten wenden sich bitte ab Juni an den NABU KV Heinsberg, Michael Straube, Tel. 02434-8094043, E-Mail: straube@nabu-heinsberg.de